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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Zeit des Zorns

Don Winslow: Zeit des Zorns, Berlin: Suhrkamp, 2011, 338 S., 14,95 Euro
von Udo Bonn

Ophelia liebt Ben, den liebevollen Weltenbummler, der sein Geld in soziale Projekte steckt. Ophelia liebt Chon, den harten Ex-Marine. Ben und Chon sind Freunde, die in großem Umfang Gourmet-Marihuana züchten und im südlichen Kalifornien an die ausgesuchte Kundschaft bringen. Bis ihnen das mexikanische Baja-Kartell in die Quere kommt:
Da deren Heroin, Kokain, Crack die Käufer in relativ kurzer Zeit ins Grab befördert, will das im Bandenkrieg geschwächte Kartell auf dem lukrativen Dopemarkt einsteigen. Ben und Chon haben keine Wahl, dies wird den beiden anhand eines brutalen Videos deutlich gemacht. Und als Ophelia entführt wird, wird ihnen auch der Weg des Abhauens auf eine Tropeninsel unmöglich gemacht. Eine Lösung könnte darin liegen, 20 Millionen US-Dollar Ablösesumme zu zahlen, aber so viel können beide nicht flüssig machen. Also müssen sie das Geld stehlen und wer würde sich dabei anbieten?

Don Winslows Zeit des Zorns schließt an seinen großartigen Roman Tage der Toten an, verengt das dortige Panorama auf einen kurzen Zeitraum, ein kleineres Personenensemble und verfolgt doch seine Analyse der Kannibalisierung gesellschaftlicher und individueller Beziehungen konsequent weiter: Märkte müssen durchdrungen und erobert werden, dafür jegliche Loyalitäten aufgegeben werden.Verbündete stehen jederzeit bereit, Vertragspartner zu liquidieren. Zeit des Zorns ist ein harter Roman, dem man die manchmal lustig-, flippig-ironischen Stellen nicht traut. Und doch ist die Erzählung der menage à trois ein Trost in einer Welt, in der das Geschäftsdurchsetzungmodell der Drogenkartelle nur besonders brutal ist.

 


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