«Ins Ungebundene gehet eine Sehnsucht…»


Quelle: SoZ – Sozialistische Zeitung
Website: https://www.sozonline.de
Artikel-Link: https://www.sozonline.de/2012/01/ins-ungebundene-gehet-eine-sehnsucht/
Veröffentlichung: 01. Januar 2012
Ressorts: Zur Person

Zum Tode von Christa Wolf

von Peter Fisch

Christa Wolfs Leben kann exemplarisch als die Biografie einer deutschen Intellektuellen in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts gelesen werden, mit all ihren Hoffnungen, Widersprüchen, Brüchen und Verwerfungen. 1929 in Landsberg an der Warthe (im heutigen Polen) geboren, erlebte sie ihre Kindheit im Nationalsozialismus.
Nach Kriegsende beginnt der Neuanfang ihrer Familie in Thüringen und die Begegnung des Mädchens mit marxistischen Schriften. Mit 20 Jahren tritt sie in die SED ein. Der Grund ist der Schock nach dem Wissen um die NS-Verbrechen – wie für viele ihrer Generation. Sie verabscheute, wie sie später es ausdrückte, etwas zu wollen, was «dem Vergangenen ähnlich sein könnte». Schon als junger Mensch ist sie vom Gesellschaftsideal eines sozialistischen Staates als Ort des Humanismus überzeugt und engagierte sich mit vollem Einsatz für die DDR. Ihre ersten beiden Erzählungen, auch ihre Arbeit als Literaturkritikerin, sind davon geprägt. Doch die Ernüchterung, ja, Enttäuschung angesichts einer starren Parteidoktrin folgte bald darauf. Im Gegensatz zu manch anderen Intellektuellen bewahrte sich Christa Wolf die Utopie eines anderen, humanen Sozialismus bis zum Ende der DDR.

Mit der schrittweisen Abwendung von der offiziellen Parteilinie einher ging ihre literarische Entwicklung. Insbesondere durch die Loslösung von der dogmatischen Enge des «sozialistischen Realismus», dem offiziellen Literaturkanon in der DDR, fand sie den Weg zu einer eigenen, subjektiv orientierten Poetik. Die Erzählung Der geteilte Himmel, zwei Jahre nach dem Bau der Berliner Mauer veröffentlicht, fand in der DDR große Aufmerksamkeit, zumal sie auch verfilmt wurde. Mit dem Werk Nachdenken über Christa T., einer Reflexion über den Krebstod einer Freundin, wurde Wolf auch in der Alt-BRD bekannt, aber seitdem argwöhnisch vom MfS «operativ bearbeitet», abgehört und permanent überwacht. Die «Opfer-Akte» von Christa und Gerhard Wolf umfasst ein Konvolut von 42 Bänden (!).

Dennoch zeigte sie stets Mut und fürchtete nicht, anzuecken. Erinnert sei an das schon berüchtigte 11.Plenum des ZK der SED 1965, auch «Kahlschlag-Plenum» genannt – ein zutreffendes Charakteristikum. Die Parteiführung reglementierte rüde die Künstler des Landes DDR. Die Dokumente des Plenums blieben bis 1990 unveröffentlicht, obwohl die Kritisierten sich noch um einen Konsens mit der SED-Führung bemühten – im Unterschied zur Biermann-Ausbürgerung zwölf Jahre später, als Christa Wolf zu denen gehörte, die, initiiert von Hermlin, öffentlich dagegen protestierten. Ausgangspunkt des «Kahlschlags» waren die Angriffe auf Werner Bräunigs Roman über die frühe Wismut-Zeit, auf dem das Drehbuch zu Konrad Wolfs Film Sonnensucher beruhte.

Christa Wolf ergriff auf dem Plenum das Wort, verteidigte Bräunig, Walser, Hochhuth und Peter Weiss und forderte, den Kontakt zu Schriftstellern der BRD (wie Böll) zu entwickeln. Im gleichen Atemzug wies sie die unsachliche, provokative Einschätzung von Paul Fröhlich, dem 1.SED-Bezirkssekretär von Leipzig zurück, der einen Teil der DDR-Künstler mit dem einstigen Petöfi-Club in Ungarn (1956) in Beziehung setzte. Im Verständnis Fröhlichs war der Verweis auf diesen Klub ein Hinweis auf die «drohende Konterrevolution».

Die Bedeutung des 11.ZK-Plenums ist nicht nur im Exempel zu sehen, das an Künstlern und Intellektuellen statuiert wurde – es entkoppelte die ökonomische Entwicklung von den Fortschritten auf kulturellem Gebiet. Insgesamt gesehen stoppte es die Reformierung der DDR als gesamtgesellschaftliches Ganzes. Damit verblieb das Land in den engen Gleisen der Dogmatik. Die Protagonisten der ostdeutschen Moderne wurden zum Schweigen gebracht und das ZK-Plenum zu einem Meilenstein des Untergangs des Staates DDR. Denn dort, wo Künste zu schweigen haben, die Sprache verlieren und um Jahre zurückgeworfen werden, lauert (immer) die Katastrophe einer ganzen Gesellschaft.

Staatsdichterin?

Mit der «Wende» von 1989 ging auch eine Wende im Umgang mit dem Werk der Christa Wolf einher, vor allem in der nun größer gewordenen BRD. Vorher nur gelobt und als nobelpreiswürdig gehandelt, wurde aus der Autorin sehr schnell eine «Staatsdichterin», zumal bekannt wurde, dass sie kurze Zeit vom MfS als «IM Margarete» geführt worden war. Dieses Bild dürfte, vorrangig in der Alt-BRD, noch nicht der Vergangenheit angehören. Nach wie vor steht im Raum, dass sie nicht leichtfüßig von der DDR Abschied nahm, in der Wendezeit für eine bessere, demokratische DDR eintrat und keineswegs einer Vereinnahmung durch die BRD das Wort redete. Zudem hatte Christa Wolf einen Aufruf «Für unser Land» unterzeichnet, der mahnte, die DDR zu erhalten, freilich unter demokratischen Vorzeichen und Umständen. Ihr Auftritt auf der Massenkundgebung am 4.November 1989 in Berlin zeugte nicht zuletzt vom Willen, am Bau einer demokratisch erneuerten DDR und einer adäquaten sozialistischen Gesellschaftsverfassung als nun schon weltbekannte Schriftstellerin teilzuhaben.

Nach Abschluss der Rede bekam Christa Wolf einen Herzanfall. Zu groß war ihre Erregung. Verschwiegen sei hier nicht, dass sie auch von vermeintlichen Linken, in Wirklichkeit Dogmatikern und selbsternannten Marxisten, angegriffen und als Dissidentin bezeichnet wurde und wird. Fest steht jedoch – alle ihre Äußerungen beweisen es – dass sie mit dem sozialistischen Gesellschaftsversuch in der DDR moralisch und existentiell verbunden war und blieb. Deshalb verließ sie nicht dieses Land, hier fand sie ihre Wurzeln und konnte sich keine anderen vorstellen. Wie ihre Biografie sind ihre künstlerischen Werke von der wechselvollen und widersprüchlichen Geschichte des letzten Jahrhunderts, von Krieg und Nachkriegszeit, von der vierzigjährigen Geschichte der DDR und dem Deutschland nach 1990 bestimmend geprägt. Es waren Zeiten des hoffnungsvollen Aufbruchs, zugleich der bitteren Enttäuschungen und zunehmender Zweifel, aber auch einschneidender Lebenserfahrungen.

Ihr Misstrauen gegen die Verkünder ewiger Wahrheiten und Glücksverheißungen war offenkundig. Die Anzahl ihrer Romane, Erzählungen, Kritiken und literaturtheoretischen Äußerungen samt Briefen ist schwer zu überblicken. Wichtig aber ist zu ergründen, was der Antrieb ihres Schreibens war. Eine große Rolle spielte das Kennenlernen von Autoren, die die Zuchthäuser und KZ Nazideutschlands überlebt hatten, bzw. solcher, die aus dem Exil zurück kamen. Sie studierte Germanistik in Jena und Leipzig und erlebte damit Prof. Hans Mayer im legendären Hörsaal 40. Danach arbeitete sie neun Jahre (1953–1962) als Lektorin in verschiedenen Verlagen und lernte dadurch viele Autoren kennen. Das formte die junge Christa Wolf.

«Diese Sehnsucht, sich zu verdoppeln, sich ausgedrückt zu sehen, mehrere Leben in dieses zu schachteln, auf mehreren Plätzen der Welt gleichzeitig sein zu können», das war der Antrieb ihres Schreibens. Sie interessierte, wie sich das menschliche Subjekt verhält, wenn die sie umgebende Gesellschaft ganz bestimmte Normen setzt bzw. moralische Ansprüche stellt. Diesen Konflikt stellte Christa Wolf in der Erzählung Nachdenken über Christa T. dar. Von besonderer, prägender Bedeutung war ihre Freundschaft mit Anna Seghers, die Christa Wolf 1959 kennenlernte. Warmherzig und behutsam wurden selbst divergierende Auffassungen, auch heikle Fragen, vorgebracht und diskutiert – eine Freundschaft auf immer.

Es war die Überzeugung Christa Wolfs, dass die Kunst auch völlig neue Fragen aufwerfen muss. Auch «Sonderfälle» sollten darstellbar sein. Ein Axiom blieb, ihre Subjektivität zu wahren und sich keinen vorgegebenen Regeln und politischen und ästhetischen Normen zu beugen. Ihr Ansinnen galt deshalb auch Menschen, die gerade dadurch zu Außenseitern gemacht worden waren. Genauso sprach sie sich für die Darstellung des Konflikts der Geschlechter aus. Das Produkt dieses Herangehens war die Hinwendung zur Romantik und zur Antike: die Darstellung Kleists und der Günderode in einem fiktiven Gespräch (Kein Ort. Nirgends) und Kassandra. Vor allem in der Romantik sah sie ein Gesprächsangebot und die Möglichkeit, Lebensmuster zu ergründen. Mit ihrem Ehemann Gerhard suchte sie diesen Reibungspunkt, um den «inneren Geschichten» der Dichter Hölderlin, Kleist, Arnim, Günderode, Heine u.a. näher zu sein.

Als vordringliche Aufgabe sah Christa Wolf an, die «blinden Flecken der Vergangenheit» zu erkunden und sinnfällig mit künstlerischen Mitteln und Methoden zu entschlüsseln. Das ist eine ihrer bedeutendsten Leistungen. Unübersehbar ist, dass neben der Christa T. besonders der Roman Kindheitsmuster zum Nachdenken über das Warum der Nazi-Höllenfahrt in bisher nicht gewohnte Denkrichtungen zwang und Impulse zum weiteren Denken provozierte.

Schon die ersten Sätze verbreiten Anfangsspannung und Neugier: «Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen. Wir trennen es von uns ab und stellen uns fremd.» Der Roman trägt zwar stark autobiografische Züge, er spürt den Prägungen des Alltags im faschistischen Deutschland und seinen späteren Fortwirkungen nach. Aber es war und ist keineswegs das typische «Ostbuch», denn die vorgetragenen Inhalte und abzuleitenden Tendenzen waren und sind nicht etwa provinzieller Natur, sondern eine welthaltige Darstellung. Im Blick der Autorin war nicht die verbrecherische «Königsebene» Nazideutschlands, sondern die Generalfrage an all die Deutschen, die Schuld und Mitschuld an geschichtlich beispiellosen Verbrechen trugen – Fragen, die bis heute relevant sind, obwohl sie schon vom antifaschistischen Exil Jahrzehnte zuvor aufgeworfen worden waren.

In vielen Arbeiten, die inzwischen lange Jahre der Forschung widerspiegeln, haben Historiker nachgewiesen: Die übergroße Mehrheit der Deutschen hat das Naziverbrechertum, bis hin zur Shoah, nicht nur schweigend hingenommen und ohne jeden Widerstand geduldet, sondern ist bis hin zur Mitwisserschaft und Mittäterschaft zutiefst schuldig geworden. Ohne dieses Schweigen, ohne das Mittun, wäre die Shoah nicht durchführbar gewesen. Spätestens 1943 wusste ein beträchtlicher Teil der Deutschen, dass in den Vernichtungslagern Auschwitz-Birkenau, Treblinka, Chelmno und Sobibor Menschen mit industriellen Verfahren zu Tode gebracht wurden; nach dem Krieg behaupteten dieselben leichtfertig, von allem «nichts gewusst» zu haben, um selber in die Opferrolle zu schlüpfen zu können. Letzteres war besonders in den Westzonen (bzw. BRD) ein typisches Verhalten – verbunden mit dem Verbleib schuldig gewordener NS-Verbrecher im Staatsapparat und der «kalten Amnestie» der Täter. Damit wurde dieser Umstand ein konstitutives Element für die Entstehung und Entwicklung der BRD.

In der Ostzone/DDR hingegen nahm immer mehr die propagandistische Formel Raum ein, die dort lebenden Menschen zu «Siegern der Geschichte» zu erklären. Eine schonungslose Selbstbefragung blieb damit aus. Zudem wurde der antifaschistische Gründungskonsens der DDR durch seine zunehmende Ritualisierung entwertet. Somit stellte sich der DDR-Bürger in der Regel nicht die Frage nach der Schuld bzw. Mitschuld am Nazitum. Christa Wolf nun warf mit dem Roman Kindheitsmuster genau diese Fragen auf, um blinde Flecken deutscher Vergangenheiten offen, scharf und provozierend zu stellen – gegen das permanente Verdrängen und absichtsvolle Vergessen, gegen das allbekannte Wort, nun doch unter diese Problematik einen Schlussstrich zu ziehen.

Eben das tat Christa Wolf nicht. Sie erzählt die Geschichte der Schriftstellerin Nelly. Die biografische Nähe ist unübersehbar. Nelly unternimmt gemeinsam mit ihrer jugendlichen Tochter eine Reise nach Polen, in die Stadt, in der Nelly ihre Kindheit und Jugend verbrachte. Eigentlich ist es eine Reise zu sich selbst, die Suche nach dem Kind Nelly und dessen Erinnerungen und Prägungen durch den Nationalsozialismus. Ihre Eltern sind Kleinbürger, besitzen einen Krämerladen. Die Mutter wird von einer ihrer Kundinnen wegen einer kritischen Äußerung über den Nazistaat denunziert und lebt nun in ständiger Angst. Die Eltern Nellys stehen dem Nationalsozialismus zwar kritisch gegenüber, gehören aber zu denen, die «wegsehen». Nelly wird in der Nazischule sozialisiert, verehrt ihre hitlertreue Lehrerin und den «Führer». Auch im Zustand des Zusammenbruchs des Regimes vertraut sie noch den NS-Parolen. Schikanierten jüdischen Schülern gegenüber empfindet sie Mitleid, hat jedoch ein schlechtes Gewissen, da sie nicht ihrer Pflicht nachkommt, an diesen Handlungen teilzunehmen. Schonungslos setzt sich Nelly mit ihrer Vergangenheit und den nun abgelegten Überzeugungen auseinander, ohne mitleidheischendes Jammern. Immer bleibt Nelly sowohl Täter als auch Opfer zugleich.

Christa Wolf war keine Historikern, die gezwungen war, Quellen zu analysieren. Als Schriftstellerin arbeitete sie mit der Erinnerung, die sie mit den objektiven Fakten konfrontierte. Insofern wollte sie gegen den «Erinnerungsschwund» als soziale Krankheit der Deutschen, bezogen auf die faschistische Vergangenheit, opponieren. Diese Art der Verdrängung des Tatsächlichen war für Christa Wolf ein individuelles und kollektives Phänomen, eine geradezu fortwirkende Vergangenheit. Deshalb konstatierte sie, dass der Faschismus als Erlebnis und Erfahrung überhaupt nicht «bewältigt» werden kann. So wird ihre gegenüber Hans Kaufmann gewählte Metapher verständlich: Es ist ein «radioaktiver Stoff». Die Metapher macht einerseits die gefahrvolle Langzeitwirkung, andererseits die Tabuisierung des Gegenstandes begreiflich. Der Faschismus wirke gerade durch eine lange Jahre anhaltende Kindheitserfahrung einer ganzen Generation – so die Autorin. Terroristische Gewalt der Herrschenden über die Beherrschten, so Wolfs Erfahrung, dazu Völkermord und Krieg, waren auch nach der Zerschlagung des Faschismus nicht aus der Welt. Das war ihre komplexe Erfahrung und Ausgangssituation.

Kein Wunder, dass der Roman Kindheitsmuster die Dogmatiker, besonders in der DDR, auf den Plan rief. Das Buch wurde zu einem Politikum aufgrund seines ihm zugrunde liegenden Geschichtsbilds, der Gegenüberstellung von Individualität und Realität. In der BRD fand es, auch dort 1976 erschienen, nur kurze Aufmerksamkeit. In der DDR wie in der BRD drang der Roman jedoch kaum ins öffentliche Bewusstsein.

Eine Anamnese

Möglicherweise hat auch die epische Methode Widerspruch erzeugt. Wolf unternahm ein «Schreib-Experiment», in dessen Zentrum der Begriff der Erfahrung stand, die die Autorin mit der objektiven Realität vermitteln wollte. Deren Teilelemente waren deshalb vor allem Gedächtnis, Erinnerung, Gedächtnisketten, Bilder und Assoziationen. Das stand in enger Beziehung zu psychoanalytischen Anamneseverfahren. Der Leser wird an der gesamten Arbeit mit den «Kindheitsmustern» beteiligt. Wahrlich ein moderner Roman, der für künftige Publikationen nicht folgenlos blieb.

Das Buch Kindheitsmuster legte Zeugnis darüber ab, dass so noch kein deutscher Schriftsteller über den Nationalsozialismus geschrieben hatte. Es erschienen in den folgenden Jahren eine Reihe von Romanen zum Thema Faschismus, die analog dazu das Verhältnis von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bzw. von Kontinuität und Diskontinuität in der Geschichte aufwarfen. Ihr letzter Roman, der 2010 erschien, setzte die tabulose Selbstbefragung fort. Mit einem dreimonatigem Studienaufenthalt in der Villa «Aurora» in Pacific Palisades (Los Angeles) wurde diese Absicht befördert. Der Roman mit dem Titel Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr.Freud ist in gewisser Weise eine Fortsetzung der Kindheitsmuster und zugleich eine Lebensbeichte. Es ist ein Buch der Erinnerung und wohl auch des Abschieds. Zehn Jahre Arbeit, ausgefüllt mit einer waghalsigen Schreibarbeit, hatte Christa Wolf dazu benötigt. Provokante Thesen, Visionen, Irrtümer, neue Fragen und Bekenntnisse, entwaffnende Eingeständnisse finden wir im Text.

Ihre ethisch-ästhetische Radikalität und Sensibilität aber blieben erhalten. So kann es nicht überraschen, wenn sie bekennt, dass sie diese DDR liebte, trotz aller unerfüllten Hoffnungen und Träume. Es hat offensichtlich nicht ausgereicht, so bedeutsam es war, dass in der DDR die sozial-ökonomischen Wurzeln von Faschismus und Krieg beseitigt wurden. Diese Aussage von Christa Wolf kann nur jene überraschen, die ihr Schreiben falsch deuteten und deuten.

Peter Fisch ist emeritierter Literaturwissenschaftler aus Dresden.