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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 02/2012 |

Der Klimagipfel von Durban ist gescheitert

Weg frei für die Kommerzialisierung der Natur

von Josep M. Antentas/Esther Vivas

«Wir werden die Märkte retten, nicht das Klima.» So lässt sich das Ergebnis der 17.UN-Klimakonferenz (UNFCC) zusammenfassen, die vom 28.November bis 10.Dezember in Durban, Südafrika, stattfand.
Es besteht ein krasser Gegensatz zwischen der raschen Antwort der Regierungen und internationalen Institutionen auf den Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise 2007/08 sowie der großzügigen Hilfe für private Banken mit öffentlichen Geldern auf der einen und ihrer völligen Passivität gegenüber dem Klimawandel auf der anderen Seite. Wirklich überraschen kann das nicht, denn in beiden Fällen sind die Märkte und ihre Komplizen in den Regierungen die Sieger.

Auf dem Gipfel in Durban gab es zwei zentrale Themen. Erstens die Zukunft des Kyoto-Protokolls, das 2012 ausläuft, und die Möglichkeit der Einführung von Mechanismen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen. Zweitens die Einführung eines Grünen Klimafonds, der auf dem vorangegangenen Gipfel in Cancun (Mexiko) mit dem theoretischen Ziel gebilligt worden war, die ärmsten Länder bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels durch Anpassungs- und Abfederungsprojekte zu unterstützen.
Nach Durban können wir sagen, dass auf das Kyoto-Protokoll inhaltlich nichts folgt. Jede konkrete Aktion wurde auf 2020 verschoben und jedwede bindende Regelung zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen ausgeschlossen. Es waren die Länder, die die Umwelt am meisten verschmutzen (angeführt von den USA), die nur zu freiwilligen Reduzierungen bereit waren und jeden bindenden Mechanismus ablehnten. Das Kyoto-Protokoll war schon unzureichend, selbst seine strenge Anwendung hätte nur dazu geführt, dass die globale Erwärmung langsamer steigt. Doch jetzt sind wir auf einem Weg, der die Lage nur verschlimmern kann.

Das Geschäft mit der Umwelt

In Bezug auf den Grünen Klimafonds waren die reichen Länder bereit, 2012 bis zu 30 Mrd. Dollar und bis 2020 100 Mrd. Dollar pro Jahr beizusteuern. Diese Summen sind unzureichend. Es ist aber auch offen geblieben, aus welcher Quelle sie kommen sollen. Deshalb stehen die Türen weit offen für private Investitionen, die von der Weltbank gelenkt werden. Wie soziale Bewegungen festgestellt haben, ist dies eine Strategie, «den Grünen Klimafonds in einen Fonds gieriger Unternehmer zu verwandeln». Einmal mehr ziehen sie Profit aus der Klimakrise und der Umweltverschmutzung – Investmentbanken haben bereits eine Reihe von Finanzinstrumenten im sog. Kohlenstoffmarkt entwickelt.
Ein weiteres Beispiel für die kommerzielle Nutzung der Atmosphäre ist die Gewinnung und Lagerung von CO2. Diese Prozedur ist nicht dazu gedacht, die Emissionen zu reduzieren, sie werden vielmehr «vergraben». Es besteht die Gefahr, dass die Umweltkrise sich dadurch beträchtlich verschärft, besonders in den Ländern, die Kandidaten für die künftigen CO2-Friedhöfe sein werden. Der Gipfel führt im Ergebnis zu mehr grünem Kapitalismus. Der südafrikanische Aktivist Patrick Bond erklärte dazu: «Der Trend zur Kommerzialisierung der Natur ist zur vorherrschenden Philosophie in der Umweltpolitik geworden.»

Die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels sind schon jetzt spürbar: Freisetzung von Millionen Tonnen Methan in der Arktis (Methan trägt zwanzigmal mehr zur Erwärmung der Atmosphäre bei als CO2), schmelzende Gletscher und Eiskappen, erzwungene Migration. 1995 gab es nahezu 25 Millionen Klimamigranten, diese Zahl hat sich verdoppelt, im Jahr 2050 könnte sie zwischen 200 Millionen und einer Milliarde liegen.

Alle Indikatoren weisen darauf hin, dass wir uns auf eine unkontrollierte Erwärmung von über 2 Grad Celsius zubewegen, bis zum Ende des Jahrhunderts könnten 4 Grad erreicht werden. Wissenschaftler glauben, dass dies nicht zu bewältigende Folgen auslösen wird. Wir können nicht bis 2020 warten, um etwas dagegen zu tun.
Trotz des fehlenden politischen Willens auf der Seite der Unternehmen und Regierungen geht der Widerstand weiter. Wenige Meter vom offiziellen Konferenzzentrum von Durban entfernt versammelten sich täglich Aktivisten und soziale Bewegungen der Initiative «Occupy COP17» in einem Forum. Beteiligt waren Bauern, die für ihre Rechte kämpfen, Vertreter kleiner Inselstaaten wie die Seychellen, Grenada und Nauru, die alle vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht sind, sowie Aktivisten der Kampagne für die Rückzahlung der ökologischen Schulden des Nordens an den Süden.

Die Bewegung für Klimagerechtigkeit besteht auf der Notwendigkeit, gegen die Kommerzialisierung des Lebens und der Natur anzugehen. Der Kapitalismus und seine Eliten haben uns in ein produktivistisches und räuberisches System geführt und sind unfähig, auf die gesellschaftliche und ökologische Krise eine umfassende Antwort zu geben. Der bekannte Umweltaktivist Nimmo Bassey sagte dazu: «Der Gipfel verstärkt die Klimaapartheid, in der die reichsten 1% der Welt beschlossen haben, dass es akzeptabel ist, die restlichen 99% zu opfern.» Wenn wir die Klimakrise nicht verschärfen wollen, müssen wir das System fundamental ändern.


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