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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 02/2012 |

Was Google-Streetview mit Militärtechnik zu tun hat

Das «mannlose Schlachtfeld»

von Rolf Euler

Im Sommer 2005 gab es eine spektakuläre Autorallye in der Mojave-Wüste in den USA: Fahrerlose Fahrzeuge bewegten sich auf Sand- und Geröllpisten, ein VW-Touareg-Geländewagen gewann. Entwicklerteams von amerikanischen und deutschen Universitäten bildeten die Mannschaften, deren Computerprogramme und Robotertechnik die Autos steuerten. Das Entscheidende dabei: Die amerikanische Militärtechnologieagentur DARPA veranstaltete die Rallye und stellte das Preisgeld von mehreren Millionen Dollar zur Verfügung.
Der deutsche Stanford-Professor Sebastian Thrun leitete das Siegerteam 2005, er hat mit seinem Team schon an mehreren dieser militärischen Forschungs»wettfahrten» teilgenommen. Später ging Thrun zur Firma Google und war dort an der Entwicklung von «Google-Street-View» beteiligt.
Obgleich den Nutzern meist weisgemacht wird, dass «Google-Street-View» vor allem Privatleuten dient, damit die sich im Ferienort oder am neuen Wohnort umsehen können, stehen in Wahrheit wohl eher die Geschäftsinteressen von Maklern und  Finanzanlegern sowie an polizeiliche und militärische Planungen im Vordergrund.

Streetview hilft

«Autonome» Fahrzeuge sind seit Jahren eine Forderung der Militärs für das «mannlose» Schlachtfeld, wobei die Bestrebungen dahin gehen, dass diese Fahrzeuge nicht ferngesteuert per Video und Funk gelenkt werden, sondern dass sie sich alleine bewegen können. Ihre Programme müssen die Umgebung kennen lernen wie ein «Fahrschüler» – dazu dienen vorher eingespeicherte Umgebungsdaten. Roboter-Soldaten sind längst keine Hollywood-Fantasie mehr, sondern in den Aufklärungs- und Kampfdrohnen oder -fahrzeugen Realität – erforscht und entwickelt auch mit «deutscher Ingenieurskunst».
Aber wenn Roboterautos samt Streetview-Fähigkeiten noch Zukunftsvision sind, werden in den aktuell stattfindenden Kriegen bereits Drohnen eingesetzt. Die Fähigkeiten, auch ohne Fernsteuerung selbsttätig Ziele ansteuern und verfolgen zu können, wird perfektioniert. Ihre Ableger werden schon jetzt für den Polizeidienst, etwa bei der Verfolgung und Überwachung vergleichbar mit einem Hubschrauber, erprobt.
Bei den Informationstechnologien, der Roboterisierung und der Software-Entwicklung stehen stets  militärische und geheimdienstliche Zwecke stark im Vordergrund. Facebook und Google, Microsoft und Intel haben ihre Herkunft, ihren Aufstieg und ihren Serverfarmen in den USA. Ihre finanziellen Interessen dominieren den Internetmarkt, ihre militärischen Verbindungen sind geheim, aber erwartbar.

Nützlich auch für die Polizei

Dazu kommt, dass die oft geheime militärische Aufrüstung auch zu polizeilichen Zwecken verwendet werden kann. Hier ist insbesondere der Einsatz von Drohnen zu nennen. Miniaturisierung der Datenverarbeitung und Kameratechnik machen es möglich, dass Minihubschrauber, kaum größer als ein DIN-A4-Blatt, gegen Demonstrationen eingesetzt werden. Hier werden Videokameras eingesetzt, bei denen die Gesichtserkennung immer besser funktioniert. Zur Überwachung trägt bei, dass die neuen Personaldokumente mit biometrischen Gesichtsdaten versehen werden, die in Videobildern herausgefiltert und verglichen werden können. Facebook und Google benutzen diese Gesichtskennung für Fotos, die in den sozialen Netzwerken hochgeladen werden. Der Zugriff von Polizeidiensten auf diese Netzwerke ist bekannt geworden, ganz zu schweigen von den vielfältigen Geheimdiensten.
Die digitale Revolution hat zu einer erheblichen Ausweitung der Überwachung und Ausforschung immer größerer Bevölkerungsteile geführt. Die bekannt gewordene Überwachung aller Mobiltelefongespräche und ihres Aufenthaltsbereiches während der antifaschistischen Demonstration in Dresden im letzten Jahr ist nur eines der herausragenden Beispiele. Die Überwachungstechnik wird natürlich auch exportiert – z.B. nach Libyen.

Smarte Stromnetze, smarte Mobiltelefone – das klingt smart und nett –, dahinter lauern jedoch militärische Anwendungen, zumindest die Überwachung von immer mehr Menschen. Techniker, Ingenieure, Software-Entwickler tragen oft unbewusst zum militärischen und geheimdienstlichen Unwesen bei – oder sie verdrängen diese Seite ihrer Tätigkeit.


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