Schließen

Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

Hier können Sie jetzt Spenden


Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 04/2012 |

30.März: Globaler Marsch nach Jerusalem

von Elsa Rassbach

Jedes Jahr am 30.März begehen Palästinenser überall auf der Welt den Tag des Bodens, einen Tag, der an die Proteste im Jahr 1976 gegen die israelischen Politik der  Inbesitznahme von arabischem Land erinnert – es war der erste breite Widerstand der arabischen Bevölkerung Israels nach 1948.Am Tag des Bodens 2012 machen Palästinenser im ganzen Nahen Osten und in der Diaspora auf die Gefahren aufmerksam, denen Jerusalem durch Israels Politik der ethnischen Säuberung ausgesetzt ist. Sie werfen Israel vor, die verbleibenden arabischen Einwohner Jerusalems systematisch zu vertreiben. Der multireligiöse und multiethnische Charakter der Stadt, die die Hauptstadt Palästinas werden soll, sei dadurch in Gefahr.

Mit einem Globalen Marsch nach Jerusalem (GMJ) am 30.März wollen Palästinenser versuchen, sich der Stadt so weit wie möglich zu nähern: an den Grenzen zum Libanon und Jordanien, an Checkpoints im Westjordanland oder am Erez-Grenzübergang in Gaza. Den Palästinensern werden sich Unterstützer aus fünf Kontinenten anschließen. In etwa sechzig Städten auf der ganzen Welt sind Solidaritätsaktionen vor israelischen Botschaften und anderen Orten geplant. Gewaltlosigkeit ist dabei ein Grundsatz des GMJ.

Die Initiative wurde von einem palästinensischen Bündnis lanciert, das in seiner Breite einmalig ist. Die Mehrzahl der palästinensischen Bevölkerung stammt aus Familien, die nach Flucht und Vertreibung außerhalb der historischen Grenzen Palästinas leben. Der GMJ ist vielleicht die erste palästinensische Widerstandsaktion, in der diese palästinensische Mehrheit eine führende Rolle spielt. Das 1948 in der UN-Resolution 194 beschlossene Recht auf Rückkehr ist eine Hauptforderung des GMJ.

Mit 2 Millionen palästinensischen Flüchtlingen und ihren Nachkommen – fast doppelt so viele wie in Gaza – ist die Bevölkerung Jordaniens zu 70% palästinensisch. Zahlreiche jordanische Gewerkschaften und Vereine, u.a. der Ärzte und Schriftsteller, unterstützen den GMJ. Besonders enthusiastische Anhänger des GMJ sind aber die palästinensischen Flüchtlinge im Libanon: 400000 Menschen leben seit 1948 immer noch in Lagern, dürfen nicht arbeiten und leiden unter noch größerer Armut als die Bevölkerung in Gaza.

Im historischen Palästina unterstützen sowohl Hamas wie auch Fatah den GMJ. Der GMJ wird auch von arabischen Staatsbürgern Israels unterstützt, die unter Arbeitslosigkeit und alltäglichen Rassismus leiden, obwohl sie Vertreter in der Knesset haben. Die unabhängigen Popular Committees aus den Dörfern der Westbank sind ebenfalls dabei. Diese haben im Bündnis mit israelischen und internationalen Aktivisten eine Strategie des gewaltfreien Widerstands gegen die Besatzung entwickelt, die sich mehr und mehr in der gesamten palästinensischen Widerstandsbewegung durchsetzt.

Jerusalem ist nicht nur eine von ethnischer Säuberung bedrohte Stadt, sondern auch ein Symbol, in dem sich Palästinenser unterschiedlicher Lebenslagen und Interessen wiederfinden: ein Symbol für den notwendigen einheitlichen politischen Willen und die Handlungsfähigkeit, die gebraucht wird, um das palästinensische Volk zu befreien.

Elsa Rassbach ist eine US-amerikanische Filmemacherin und Journalistin in Berlin. Sie gehört zu den Unterstützerinnen des GMJ. Weitere Informationen auf www.jerusalem-marsch.de


Drucken | Artikellink per Mail | PDF Version

Kommentar zu diesem Artikel hinterlassen

Spenden

Die SoZ steht online kostenlos zur Verfügung. Dahinter stehen dennoch Arbeit und Kosten. Wir bitten daher vor allem unsere regelmäßigen Leserinnen und Leser um eine Spende auf das Konto: Verein für solidarische Perspektiven, Postbank Köln, IBAN: DE07 3701 0050 0006 0395 04, BIC: PBNKDEFF


Schnupperausgabe

Ich möchte die SoZ mal in der Hand halten und bestelle eine kostenlose Probeausgabe oder ein Probeabo.