Schließen

Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

Hier können Sie jetzt Spenden

Sie befinden sich hier: Home > 2012 > 12 > Ford-genk

Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 12/2012 |

Ford Genk

700 IG Metaller demonstrieren Solidarität
Mit zehn Bussen und vielen Pkw reisten 700 IG Metaller am 11.November von Ford und aus anderen Kölner Betrieben nach Genk. Von den Werksparkplätzen der Genker Ford-Werke fuhren ununterbrochen Pendelbusse in die völlig von Demonstranten überfüllte Stadt. Aus ganz Belgien waren Gewerkschafter angereist, um ihre Solidarität zu bekunden. Der «Mars voor de Toekoemst» zum Kundgebungsplatz auf einer alten Bergbaumine wurde eine eindrucksvolle Demonstration von 16.000 Teilnehmern in der kleinen Stadt Genk.
Die Fordler können die Entscheidung aus den fernen USA nicht nachvollziehen: Sie haben viele eng vernetzte Produktionsbeziehungen, z.B. mit dem großen modernen Presswerk. Mit großen Kosten wurde die C-Max-Produktion von Saarlouis nach Valencia verlagert und soll jetzt wieder zurückverlagert werden, die Produktionsverlagerung des neuen Mondeo nach Valencia bedeutet große Kosten und Zeitverzögerung.
«Die Kölner Belegschaft sieht das als eine Bedrohung für ihre Produktion an, denn auch für Köln wurde eine klare Investitionszusage für den neuen Fiesta abgegeben», erklärte Witich Roßmann, der Bevollmächtigte der IG Metall Köln/Leverkusen, für die IG Metall Köln und Saarlouis unter spontanem Beifall der Kundgebungsteilnehmer. Die IG Metall tritt für die Einhaltung der Investitionszusagen für das Ford Werk Genk ein.
Dennoch waren die belgischen Ford-Arbeiter auch enttäuscht. «Das einzige, worauf sich der Europäische Betriebsrat konkret verständigt hat, ist, eine große Delegation zu unserer Demonstration am Sonntag nach Genk zu schicken. Das ist alles!», sagt Rohnny Champagne, Präsident der Gewerkschaft ABVV Metaal in der belgischen Provinz Limburg, in einem Interview mit Daniel Behruzi für die junge Welt (9.11.):
«Ich weiß, dass auch die deutschen Gewerkschaften keine Wunder vollbringen können. Andererseits: Hätte ich in Belgien eine Macht wie die IG Metall in Deutschland, würde ich sie auch nutzen, um die Interessen der Kolleginnen und Kollegen konsequent zu vertreten. Stattdessen wird zugelassen, dass die Standorte gegeneinander ausgespielt werden. So profitiert die Ford-Fabrik in Saarlouis von Produktionsverlagerungen aus Spanien. Diese Art von Standortpolitik stört uns. Es gibt also schon eine gewisse Solidarität, aber nie genug, um den Kampf mit einem Konzern wie Ford tatsächlich aufnehmen zu können. Wir haben das vor zwei Jahren bei Opel erlebt. Es gab zwar einige Unterstützung für Antwerpen, aber als es darauf ankam, war sich jeder selbst der nächste. Unsere Kollegen von Ford Köln versuchen schon, uns zu helfen. Aber meiner Wahrnehmung nach tut die IG Metall nicht alles, um europaweite Solidarität zwischen den Belegschaften der Autoindustrie herzustellen.»

Die aktuelle Lage
Die Arbeiter bei Ford Genk sind zur Zeit in Kurzarbeit, da die Produktion umgebaut wird. Bis Jahresende sind nur noch acht Produktionstage geplant. Die Belegschaft hat diskutiert und entschieden, dass an den acht Tagen gearbeitet werden kann, aber kein einziges Auto soll die Fabrik verlassen. Die Tore bleiben solange blockiert, bis es eine Vereinbarung mit Ford gibt.
Der ABVV Metaal ist der flämische Zweig der Metallgewerkschaft im FGTB-ABVV. Vor wenigen Jahren wurde die Metallgewerkschaft von ihrem Vorsitzenden, Herwig Jorissen, in einen flämischen und einen wallonischen Zweig gespalten, um dem Druck der kämpferischeren wallonischen Kollegen zu entgehen. Der christliche Metallarbeiterverband (AVC-Metea) steht im christlichen Gewerkschaftsverband CSC-AVC ebenfalls nicht auf dem linken Flügel. Er fordert für die Ford-Arbeiter einen großzügigen Sozialplan. Bislang scheint es in der Belegschaft keine Neigungen zu geben, radikalere Lösungen zu diskutieren, etwa eine Verstaatlichung des Betriebs mit Umstellung der Produktion, z.B. auf Elektrofahrzeuge.


Drucken | Artikellink per Mail | PDF Version

Kommentar zu diesem Artikel hinterlassen

Spenden

Die SoZ steht online kostenlos zur Verfügung. Dahinter stehen dennoch Arbeit und Kosten. Wir bitten daher vor allem unsere regelmäßigen Leserinnen und Leser um eine Spende auf das Konto: Verein für solidarische Perspektiven, Postbank Köln, IBAN: DE07 3701 0050 0006 0395 04, BIC: PBNKDEFF


Schnupperausgabe

Ich möchte die SoZ mal in der Hand halten und bestelle eine kostenlose Probeausgabe oder ein Probeabo.