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Präsidentschaftswahlen in den USA 2012

Warum hat Obama gewonnen?
Bis zuletzt war es eine Zitterpartie, dann hat Obama die US-Präsidentschaftswahl überraschend klar gewonnen. Warum?
Obama gewann 63.448.632 Stimmen, sein Gegenkandidat Mitt Romney 59.634.222 Stimmen, bei einer Wahlbeteiligung von etwa 126 Mio. Menschen (57,5%). Obama gewann somit über die Hälfte der abgegebenen Stimmen (50,7%, gegen 47,7% für Romney). Obamas Wahlkampf konzentrierte sich auf die «Selbständigen» und die «Mittelklasse», insbesondere die oberen städtischen Einkommensschichten. Er gewann die Wahl jedoch nicht vorwiegend in diesen Schichten, sondern in Teilen der Arbeiterschaft.
Obama gewann die sog. Swing-States (Colorado, Nevada, Iowa, Virginia) für sich: Hier waren die Stimmen der spanischstämmigen (Hispanics) bzw. der Afroamerikaner für seinen Wahlsieg entscheidend. 71% der Hispanics haben für Obama gestimmt, mehr als 2008. Die Hispanics in diesen Bundesstaaten gehören aber nicht zur anvisierten Mittelklasse mit einem jährlichen Haushaltseinkommen von 100.000 Dollar, auch nicht zu den Selbständigen, die meist noch mehr verdienen. In ihrer Mehrheit sind sie Arbeiter, mit einem Einkommen von weniger als 50.000 Dollar im Jahr. Die Selbständigen und die städtische Mittelklasse mit mehr als 50.000 Dollar hingegen blieb zu Hause; hier fiel der Stimmenanteil für Obama von 52% (2008) auf jetzt 45%.
Somit waren es die eingewanderten, nichtweißen Arbeiterschichten, die Obama erneut ins Amt gewählt haben. Und die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter: Im ebenfalls bedeutenden Swingstaat Ohio wie auch in den benachbarten Staaten Michigan und Wisconsin waren es die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter, die für Obama den Unterschied ausmachten. In diesen Bundesstaaten konzentriert sich die Arbeiterschaft vor allem auf die Sektoren Maschinenbau, Baugewerbe, Angestellte in Industrie und öffentlichem Dienst.
Es ist also falsch, wenn gesagt wird, dass «die Arbeiter» für die Republikaner gestimmt haben. Warum aber haben sie für Obama gestimmt?
* Im Juni hatte Obama die Anwesenheit junger Migranten legalisiert, die als Kinder in die USA gekommen waren, aber bislang keinen Aufenthaltsstatus bekommen hatten. Es handelt sich um 1,8 Millionen junger Menschen unter 31 Jahren. (Romney hatte ihnen geraten, «sich selbst zu deportieren».)
* Die Studierenden (18–29) hatten von Obama die Zusicherung, dass sie sich nicht weiter verschulden müssten und in den Genuss einer Krankenversicherung kämen (Obamacare).
* Die gewerkschaftlich Organisierten in den Staaten um die Großen Seen herum hatten nicht das milliardenschwere Konjunkturpaket vergessen, das Obama 2008 für die Autoindustrie geschnürt hat – von den 340000 verlorenen Jobs in der Autoindustrie wurden 157.000 wiedergewonnen – allerdings weitaus schlechter bezahlt, mit einem 14-Stunden-Tag und befristet eingestellt. (Romney wollte die Autoindustrie bankrott gehen lassen.)
Das waren keine großen Reformen, aber auch nicht «weniger als nichts», wie sich Romney ausdrückte.


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