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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Reginald Hill: Rache verjährt nicht

Berlin: Suhrkamp, 2012. 684 S., 19,95 Euro
von Udo Bonn

Wenn sich in einem Roman mit dem Titel Rache verjährt nicht Elemente aus Der Graf von Monte Cristo mit Lady Chatterley vermischen, eine Prise Bourne hinzugefügt wird, die Verbrechen von Private Equity Fonds, Kinderpornografie und russischer Drogenmafia eine Rolle spielen, dann muss man schon ein guter Schriftsteller wie der kürzlich verstorbene Reginald Hill sein, um nicht eine Vorlage für das sonntägliche Schmonzettenabendprogramm des ZDF abzuliefern.

Die Gratwanderung ist Hill mit der Geschichte um Sir Wilfried-Wolf Hadda gelungen. Seinen Sir-Titel hat Hadda aberkannt bekommen, nachdem er wegen betrügerischer Finanzgeschäfte und vor allem wegen Verwicklungen in Vergehen gegen Kinder in ein Hochsicherheitsgefängnis gesperrt wurde. Den Adelstitel, eine zusätzliche Anerkennung in den Augen seiner neozaristischen Schwiegermutter, verloren zu haben kann er leicht verkraften, aber nicht den Verlust seiner Frau Imogen und seiner über alles geliebten Tochter. Und auch seine Freunde und Geschäftspartner haben sich von ihm abgewandt. Nach einem Fluchtversuch schwer verstümmelt, isoliert sich Hadda im Gefängnis, bis er auf eine junge Psychologin trifft, die unermüdlich versucht, seine Blockaden aufzubrechen, um ihn therapiefähig zu machen. Das scheint ihr auch zu gelingen, Hadda kehrt, vorzeitig entlassen, in seine nordenglische Heimat Cumbria zurück, ins Haus seines verstorbenen Vaters und in die Nähe seiner ehemaligen Schwiegereltern. Seine Anwesenheit erzeugt Ablehnung bei den Dorfbewohnern, die ihm seine Verbrechen nicht verzeihen können, und Angst auf dem herrschaftlichen Gutshof. Aber wenn es Angst vor Rache gibt, kann etwas an den Gründen, die zu Haddas Verurteilung geführt haben, nicht stimmen.

Hier soll die Geschichte nicht weitererzählt werden, aber das Denkmal, das Hill in seinem letzten Roman der britischen Upperclass gesetzt hat, ist so schön wie eindeutig: Eine Ansammlung herzlosen und im besten Fall vertrottelten Gesocks, vereinigt in den Clubs, Landhäusern und Stadtpalästen, mit ununterbrochener Herablassung gegenüber allen Menschen, die nicht dazugehören.

Viel Spaß beim Lesen.

 


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