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Klimagipfel in Doha

Absurdes Theater

«Absurdes Theater» nannte die britische Wirtschaftszeitung The Economist den UN-Klimagipfel, der am 7.Dezember in Doha (Qatar) zu Ende ging. Am Vorabend des Gipfels hatte die Weltbank einen Bericht veröffentlicht, der den durchschnittlichen globalen Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf 4° schätzt. Auf die Konferenzteilnehmer machte dies keinen Eindruck. Vor allem die USA zeigten keine Bereitschaft, ihre gigantischen CO2-Emissionen ernsthaft zu senken.
Die zwölftägigen Verhandlungen haben in letzter Minute einen Minimalkonsens hervorgebracht:
– Das Kyoto-Protokoll wird bis 2020 verlängert. Fast wäre auch dies gescheitert, und zwar an der EU, weil sich vor allem die polnische Regierung gegen eine Verschärfung der Regelungen im Kyoto-Protokoll gesperrt hatte. An der Verlängerung nehmen Australien, die 27 EU-Länder sowie weitere europäische Staaten teil – insgesamt 37 Länder, die zusammen für 11–13% des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich sind; Russland, Kanada, Japan und Neuseeland erklärten ihren Austritt. Die USA und China sind ihm nie beigetreten.
– An den Einwänden Polens scheiterte die Verschärfung der CO2-Ziele. Nur ein weiteres Treibhausgas wurde zu den sechs bestehenden hinzugenommen: Stickstofftrifluorid (NF3), das zur Produktion von Flachbildschirmen und Solarzellen dient und oftmals als Ersatz für die verbotenen FCKW eingesetzt wird. Ende April 2014 wollen die Unterzeichner-Staaten noch einmal über eine mögliche Verschärfung der Ziele beraten.
– Ursprünglich sollte in Doha ein neues, umfassendes Klimaschutzabkommen verabschiedet werden. Dies ist gescheitert; nun wird 2015 als neue Deadline genannt.
Am empörendsten ist, dass der Gipfel in Doha keine Regelungen für die Unterstützung von Entwicklungsländern beschlossen hat. Die ärmsten Menschen der Erde, die die geringste Verantwortung für den Klimawandel tragen, müssen die härtesten Konsequenzen tragen. Einige Pazifik-Inseln sind heute schon vom Untergang bedroht. Erst ab 2020 soll ein Fonds dafür zur Verfügung stehen, angeblich soll er 100 Mrd. Dollar schwer sein, die Finanzierung ist jedoch völlig ungeklärt.
Nichts Gutes verspricht auch die Wahl der Austragungsorte: Qatar, der diesjährige Gastgeber, ist Spitzenreiter im CO2-Ausstoß pro Kopf; die Golfstaaten leben von der Umweltverschmutzung mit fossilen Brennstoffen. Die nächste Klimakonferenz findet im kommenden Jahr in Warschau statt.


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