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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Merle Kröger: Grenzfall

Krimi, Hamburg: Argument, 2012. 347 S., 11 Euro
von Udo Bonn

Auf der Berlinale 2012 wurde der Dokumentarfilm Revision von Philip Scheffner und Merle Kröger gezeigt, leider kam er nur für kurze Zeit in die Programmkinos. Der Film versucht, den Tötungsumständen von zwei rumänischen Staatsbürgern an der deutsch-polnischen Grenze im Jahr 1992 nachzugehen und das zu recherchieren, was während des Prozesses unterlassen wurde. Aus dieser Filmarbeit hat Merle Kröger den Roman Grenzfall entwickelt.

Mattie Junghans, Merle Krögers Protagonistin aus den beiden vorangegangenen Büchern Cut! und Kai! ist weg aus Norddeutschland, weg von ihrem Liebhaber, in dessen Dojo sie zur Ruhe kommen wollte. Jetzt ist es Berlin, ein Job in einer engagierten Anwaltskanzlei könnte fürs Auskommen sorgen. Aber Mattie Junghans ist eine Rumtreiberin, und so kommt sie nach Kollwitz, an die Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns, und erfährt, dass eine Romni, Adriana Voinescu Ciurar, wegen eines Tötungsdelikts inhaftiert worden ist. Ihr Vater ist in der Gegend vor 20 Jahren zusammen mit einem anderen Rom erschossen worden. Ein Jagdunfall heißt es, ungesühnt, die Täter haben sich im neuen Deutschland eingerichtet. Und einer von ihnen, früher Volkspolizist, dann Jagdführer und zuletzt Hausmeister, ist zu Tode gestürzt. War es Rache? Mattie Junghans braucht die Unterstützung der Familie Voinescu, sie reist nach Rumänien, zu den Ausgestoßenen der osteuropäischen Wende.

Merle Kröger hat für ihren Roman Grenzfall den deutschen Krimipreis 2013 erhalten. Sie ist damit auf den ersten Platz der deutschsprachigen Autoren gekommen – genauso verdient wie Mechtild Borrmann mit Wer das Schweigen bricht im Vorjahr.


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