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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Elmore Leonard: Raylan

Berlin: Suhrkamp, 2013. 368 S., 19,95 Euro
von Udo Bonn

Mit dem Film Harlan County USA setzte die Dokumentarregisseurin Barbara Kopple 1976 streikenden Bergarbeitern und ihren Frauen aus einem der Kohlereviere Kentuckys ein kämpferisches Denkmal. Er war als Unterstützung für die Demokratisierungskampagne der Bergarbeitergewerkschaft gedacht und berichtete von dem mit allen Mitteln, auch mit Waffengewalt, ausgetragenen Streit um höhere Löhne, gesündere Arbeitsbedingungen und das Recht auf Streik in den Jahren 1972/73. Erst der Mord an einem Arbeiter zwang die Bergwerksgesellschaft an den Verhandlungstisch.

40 Jahre später wird in Harlan County im Südwesten von Kentucky immer noch Kohle abgebaut, aber die Methoden und die sozialen Verhältnisse haben sich verändert. Kohle wird jetzt im Tagebau abgebaut, die Hügel werden einfach weggesprengt und nicht nur die Lungen der Bergarbeiter werden jetzt mit Kohlestaub überzogen, sondern die ganze Umgebung. Wer da im Weg steht, dem wird das Wohnhaus plattgewalzt, und wenn das nicht ausreicht, kommt der Mordbefehl aus dem Mund einer toughen Public-Relations-Managerin.

In Elmore Leonards Roman Raylan ist der US-Marshall Raylan Givens nicht ganz freiwillig in seine alte Heimat zurückgekehrt, seine Vergangenheit als Bergarbeiter verschafft ihm aber immer noch genügend Respekt unter den Bewohnern des Counties, von denen kaum noch jemand von normalen bürgerlichen Tätigkeiten leben kann. Arbeitslose Kumpel versuchen sich als Marihuanapflanzer, geraten aber in heftigen Konflikt mit den Großen der Branche, die sich Preise und Marktmonopol nicht kaputtmachen lassen wollen.

Und dann gibt es noch lukrativere Geschäftszweige, in die einzusteigen sich zu lohnen scheint: Wenn Spendernieren knapp sind und hohe Renditen einbringen, kann man doch bei deren Beschaffung ein wenig nachhelfen. Stellt sich nur die Frage: Sollen sie an die unfreiwiligen Spender zurückverkauft oder lieber auf dem offiziellen Medizinmarkt angeboten werden? Und irgendwie ist es auch ein Akt der Wiedergutmachung und Richtigstellung: Warum erhält ein schnöseliger Arzt ein vielfaches an Gehalt, wenn die Operation auch von einer gutausgebildeten, erfahrenen, aber schlecht bezahlten Krankenschwester erledigt werden kann?

In Leonards Roman sind es die Frauen, die versuchen, den Taktstock der neuen Zeit zu schwingen. Aber nur die Integeren haben bei dem 87-jährigen Altmeister des Krimis eine Chance auf Zukunft, wie die Pokerspielerin Jackie Nevada, die mit allen Wassern gewaschen ist, aber letztendlich auf der richtigen Seite steht, auf der Raylan sie findet. 20 Jahre nach Jackie Brown, der Hauptfigur von Elmore Leonards Rum Punch, eine neue Figur, die nach Verfilmung verlangt.

 


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