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Bernd Köhler: Keine Wahl

Lieder, Gesänge und Balladen aus Arbeiterkämpfen (1971–2013)
JumpUp, 15 Euro
von Dieter Braeg

Das Lied gegen das Herrschende, das gibt es schon lange. Der Musikwissenschaftler Otto Brusatti stellt in seinem feinen Text «Vermutungen um Walther (von der Voegelweide), den Liedermacher» unter anderem fest: «Er agierte auch als Liedermacher für/gegen Kreuzzüge.» Also, der «Vater» der Liedermacherei, er hat wohl nicht nur saftigste Minnelieder geträllert, er hat auch zur Politik die Stimmbänder strapaziert.
Bernd Köhler, der seit 1971 dieser verkommen Gesellschaft samt Ordnung die Lieder und Texte singt, die sie nicht hören will, weil die, die ihre Arbeitskraft verkaufen und verkauften, eine Geschichte haben, ist mehr als nur ein Liedermacher.  Viele Niederlagen, aber auch Erfolge – über die singt Bernd Köhler nicht nur Erinnerung und Hoffnung herbei.

«Wer hat das Werk, in dem du schaffst,
wohl aufgebaut,
doch nicht der Boss, der jetzt so tut als sei’s sein Werk.
Du hast mit Klugheit, Mut und Kraft,
ein Leben lang,
in diesem Werk geschafft, als sei’s dein eignes Werk.»

Die CD von Bernd Köhler «Keine Wahl» samt dem Buch mit gleichem Titel dokumentiert die lange Geschichte von Kämpfen für mehr Lohn, ein sehr gutes Leben, eine andere Gesellschaft, in der die bestimmen, die heute höchstens eine «Mit-Bestimmuung» vorgeheuchelt bekommen, in der nicht von Mindestlohn geredet und Hungerlohn verordnet wird.

«Allen Menschen gleiches Recht,
keine Herren, keinen Knecht,
alle Menschen frei und gleich,
keiner arm und keiner reich.»
(Aus dem Lied «Ausgesperrt».)

Wo Bernd Köhler für die singt, die oft um ihre lange und wichtige Geschichte gebracht werden – das öffentlich-rechtliche Fernsehen, finanziert per Zwangsbeitrag, hat ja noch nie unsere Geschichte, die Geschichte der abhängig Beschäftigten berichtet – da öffnet er nicht nur Augen und Ohren, da ist es nicht weit zur Frage: Wieso haben wir so viel Geduld?

Bernd Köhler meint zu CD und Buch: «Richtig ist, dass ich mit dem kleinen ‹Alstom-Chor› zu meinen Wurzeln zurückgekehrt bin: mit Betroffenen gemeinsam musikalische oder künstlerische Projekte zu machen. Motiviert dazu hat mich die Art und Weise wie der Arbeitskampf bei Alstom geführt wurde – initiiert aber haben das die KollegInnen selbst, die auf der Rückfahrt von einer Demo in Paris die Idee entwickelten: ‹Wir brauchen ein Lied zur Unterstützung unserer Aktionen›, und dann den Kontakt mit mir aufnahmen.»

In Mannheim kann man im Technoseum eine große Landesausstellung des Landes Baden-Württemberg zur Geschichte der Arbeiterbewegung «Durch Macht zum Licht?» besuchen. (Sie läuft noch bis 25.8.2013.) Sie ist gut besucht, doch Millionen müssten noch hin, um ihre Geschichte kennenzulernen.

Die gleichen Millionen sollten Bernd Köhlers Lieder hören und sein Begleitbuch* (mit Liedtexten und Arbeitskampfberichten) lesen und sich an die Kämpfe der abhängig Beschäftigten von 1971 bis 2013 erinnern. Bernd Köhler ist ein ganz Großer, der uns die Wahrheit singt.

Lieder, Balladen und Gesänge aus Arbeitskämpfen. Ein Lieder- und Geschichtenbuch zur gleichnamigen CD.
Bremen: JumpUp, 2013. 160 S., 12 Euro


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