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Das Weltsozialforum

Ein Instrument der Vergangenheit oder auch für die Zukunft?
von Esther Vivas

Seit dem Ersten Weltsozialforum (WSF) im Januar 2001, gedacht als Kontrapunkt zum Weltwirtschaftsforum in Davos und deshalb zeitgleich mit ihm, ist viel Zeit vergangen. Das WSF ist aus der Bewegung gegen die kapitalistische Globalisierung entstanden und zeitweise zu einer Antikriegsbewegung geworden.

Zur Zeit der ersten Treffen spielte es eine wichtige Rolle bei verschiedenen Kämpfen, verlor dennoch trotz einer anhaltenden hohen Beteiligung nach und nach seine politische Relevanz und verkümmerte allmählich wie die Bewegung gegen die kapitalistische Globalisierung auch. Der Kontext hat sich verändert und infolgedessen auch die Daseinsberechtigung.

Nach dem Entstehen neuer Protestwellen – dem arabischen Frühling und «Occupy» – wird das WSF viel mehr als Instrument der Vergangenheit denn als eins für die Gegenwart und Zukunft wahrgenommen. Seine Existenz offenbart jedoch eine der Hauptschwächen der neuen sozialen Protestbewegungen, die im Umfeld der großen Krise entstanden sind: ihre fragile internationale Koordination. Die Bewegungen sind mit der Herausforderung konfrontiert, einen neuen Raum zu schaffen, der Fortschritt im gemeinsamen Kampf und zugleich Erfahrungsaustausch zulässt. Die Sparoffensiven in den verschiedenen Ländern sind so intensiv und erfordern soviel nationale Mobilisierung, dass die Koordination mit Bewegungen im Ausland darunter leidet. Obwohl die neuen Bewegungen sich dessen bewusst sind, dass sie gemeinsame Wurzeln haben, ist die Koordination zwischen ihren verschiedenen Akteuren eher schwach geblieben, trotz der Organisierung globaler Aktionstage und einiger Treffen.

Der Schwerpunkt der Mobilisierung liegt nicht länger in Lateinamerika, wo das WSF entstanden ist. Er liegt nun in der arabischen Welt und im alten Europa, wo es ganz viel Protest gibt, und das derzeit durch die Krise teilweise in eine Art Dritte Welt verwandelt wird. Die aktuelle Herausforderung besteht darin, von den Kämpfen gegen die Schulden, gegen Zwangsräumungen und Privatisierungen zu lernen, die in nicht allzu weit zurückliegender Vergangenheit in den Ländern des Südens entstanden sind. Die Koordination des Widerstands ist unerlässlich, daran muss gearbeitet werden, wenn wir dem hoch organisierten Kapital die Stirn bieten wollen.

Von Esther Vivas, zusammen mit Josep Maria Antentas, erscheint in Kürze im Neuen ISP-Verlag ein Buch über die Bewegung der Indignados in Spanien.


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