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Vins Gallico: Respekt

Ein ’Ndrangheta-Krimi. Berlin: Assoziation A, 2013. 380 S., 14 Euro
von Udo Bonn

Anfang April beschlagnahmten italienische Behörden knapp 50 Firmen, Grundstücke, Villen und Bankkonten im Wert von 1,3 Mrd. Euro. Der Eigentümer, Vito Nicastri, soll als «Herr der Winde» im Geschäft mit erneuerbaren Energien Geldwäsche für die sizilianische Mafia betrieben haben. Im Herbst vorigen Jahres meldete das Magazin Stern die Verwicklung der HSH Nordbank in einer von ihr mit 200 Mio. finanzierten Windparkanlage in Kalabrien. Hierbei soll es sich um ein Geldwäscheprojekt der ’Ndrangheta handeln.

Vins Gallicos preisgekrönter Erstlingsroman Respekt spielt im N’drangheta-Territorium im heißen Sommer 2009. Die Menschen flüchten sich ans Meer, raus aus den stickigen Städten, vorbei an der wildbebauten, im Grunde wunderschönen Landschaft, die der illegale Bauboom unkenntlich gemacht hat. Don Peppe Parisi und Don Rocco Stillitani sind zwei ’Ndrine-Chefs, eine Generation auseinander, beide leben im Untergrund, beide können sich nicht leiden, aber es gibt einen Nichtangriffspakt, der wie so viele andere Pakte innerhalb der ’Ndrangheta jährlich erneuert werden muss.

Don Peppe ist ein verbitterter alter Mann, angewiesen auf die Finanzgeschäfte seines Enkels, selbst ohne Ideen. Don Rocco dagegen ist im 21.Jahrhundert angekommen, nach seinen Geschäften liest er Stieg Larssons Milleniumtrilogie. Er, der sich die Gesichtszüge von Sean Connery hat schneiden lassen, hat eine Vision von einem anderen, neuen Kalabrien. Gegen die Landschaftsverschandelung muss eine moderne Müllentsorgungsanlage auf höchstem technologischen und ökologischen Standard her. Und dafür muss es brennen. Und dafür wird gemordet. Und weil zwei verliebte griechische Jungfußballspieler dabei umkommen, wird aus der Berichterstattung der Sportjournalistin Tina Romeo, die eher zufällig von ihrer Redaktion aus Reggio Calabria nach Agatea geschickt wird, eine ganz persönliche Angelegenheit. Immer tiefer gerät sie in die Auseinandersetzungen der Familienclans, während Helfershelfer umgebracht werden, Richter ihre Strippen ziehen, die Polizei zu spät kommt. Zum Abschuss freigegeben, erhält Tina Romeo Unterstützung von unerwarteter Seite.

Respekt ist ein feiner Roman, ohne jede Beschönigung des verbrecherischen Treibens der Clans. Ihm ist anzumerken, welche Vorlage Roberto Savianos Gomorrha für die Zukunft des «Mafiakrimis» geliefert hat.


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