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«Bittere Kohle» statt Energiewende

von Rolf Euler

Während allerorten lokale Sonnen- und Windenergieanlagen entstehen, versuchen die vier großen Stromerzeuger RWE, E.on, Vattenfall und EnBW, vor allem die Verstromung von Kohle voranzutreiben. Die Folgen für das Klima sind bekannt, die Folgen für die Konzerne sind nach wie vor riesige Gewinne.

Steinkohlekraftwerke werden zum überwiegenden Teil mit Importsteinkohle versorgt. Deutschland importierte 2011 über 33 Mio. Tonnen Kraftwerkskohle, bei einer Eigenförderung aus den letzten verbliebenen Zechen von rund 11 Mio. Tonnen. Eine Studie der beiden Umweltverbände FIAN (Food First Informations- und Aktions-Netzwerk) und «Urgewalt» nimmt die Zustände in den Ländern, die Steinkohle nach Deutschland exportieren, unter die Lupe und kommt zu dem Ergebnis, dass wir hier «bittere Kohle» verfeuern – die sozialen und ökologischen Schäden in den Exportländern sind zum Teil verheerend.

Die Studie nennt sich «Bitter Coal» in Anspielung auf eine Initiative der kohleverstromenden Unternehmen, die sich «Better Coal» nennt, um ihr Image in der Öffentlichkeit aufzubessern. Die Konzerne wollten aber nicht mit Informationen herausrücken, aus welchen Minen sie ihre Steinkohle beziehen. Klar ist nur, dass Kolumbien inzwischen Hauptimporteur geworden ist, vor Russland, USA und Südafrika. Die Bedingungen, unter denen in diesen Ländern Kohle abgebaut wird, werden in der Studie einer scharfen Kritik unterzogen. Am Kohleexport sind wenige große internationale Konzerne beteiligt, die den lokalen Bevölkerungen große Probleme hinterlassen. Genannt werden unter anderem BHP-Billiton, Glencore, Anglo American, Drummond, Goldman.

In den untersuchten Ländern wird ohne Rücksicht auf Umweltbedingungen im großen Stil Steinkohle abgebaut und exportiert. Flüsse und Trinkwassergebiete werden ausgebeutet, umgeleitet oder für Abwässer missbraucht. In Kolumbien werden Gewerkschafter bedroht und ermordet, die auf Missstände hinweisen. Die Gebiete wurden oft von Paramilitärs besetzt, um den Abbau «zu sichern». Die Vorteile des Kohleexports fallen nur den Konzernen zu. In Russland sind weite Teile des Kusbass-Gebiets belastet, die Krankheits- und Sterblichkeitsrate nimmt zu. In den USA werden in den Appalachen – einem ökologisch wertvollen Waldgebirge – ganze Berge weggesprengt, um an die großen Flöze im Tagebau heranzukommen. In Südafrika werden große Gebiete, die auch für Trinkwasserversorgung nötig sind, durch Kohleabbau bedroht. Die lokalen Bevölkerungen werden bedroht, sozialen Verwerfungen ausgesetzt und haben nach Abzug des Bergbaus mit erheblichen Folgeschäden zu kämpfen.

Die Studie erläutert im einzelnen, was in den genannten Ländern geschieht und zitiert Betroffene. Die Schlussfolgerung: Gravierende Zerstörungen werden von den Energiekonzernen in Kauf genommen, um hier Strom zu produzieren, um billige Kohle zu importieren, die sie hier nicht mehr fördern müssen, weil die Zechen geschlossen wurden. Wenn 2018 das letzte Bergwerk zumacht, wird in Deutschlands Steinkohlenkraftwerken Strom nur noch aus bitterer Importkohle erzeugt werden.

Die Studie klagt die Konzerne an, weder Rechenschaft abzulegen, aus welchen Minen sie Kohle kaufen, noch sich nachhaltig um die dortigen Bedingungen zu scheren. Sie klagt die zuständigen Regierungen an, die Bedingungen, unter denen Konzessionen an ausländische Firmen vergeben werden, lasch zu handhaben, nicht genügend Kontrollen herzustellen. Sie fordert, dass die Bundesregierung die Energieversorger rechtlich verpflichtet, ökologische, soziale und menschenrechtliche Bedingungen einzuhalten, zu überwachen und zu veröffentlichen. Der Bau weiterer Kohlekraftwerke ist unnötig und behindert einen Umstieg der Energieversorgung.

Die komplette Studie ist zu lesen auf: http://urgewald.org/sites/default/files/bittercoal_mai.broschure_web.pdf


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