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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Promised Land

USA 2012. Mit Matt Damon, Frances McDormand. Regie: Gus Van Sant
von Angela Huemer

Ein schickes Restaurant in New York City. Steve Butler, verkörpert vom ausgezeichneten Schauspieler Matt Damon, trifft sich dort mit einem Kollegen, d.h. einem seiner Vorgesetzten. (Matt Damon sollte eigentlich auch Regie führen, doch dann kamen Terminprobleme dazwischen, daraufhin heuerte er Gus Van Sant an, mit dem er 1997 in dem erfolgreichen Film Good Will Hunting gearbeitet hatte, der gleichzeitig Matt Damons Durchbruch war.)

Wir sehen Wasser, jemand taucht daraus auf, es ist Steve, der sich das Gesicht gewaschen hat. Dann geht er zurück an seinen Tisch. Sein Vorgesetzter fragt, ob er noch etwas trinken will. Steve verneint. Sein Kollege bestellt trotzdem noch eine Flasche Rotwein. Denn sie beide warten auf den Boss. Es sieht gut aus für Steve, eine Beförderung steht bevor, er und seine Kollegin sind eines der erfolgreichsten Teams des großen Energiekonzern Global Crosspower Solutions, wenn es darum geht, Bewohner kleiner abgelegener Ortschaften dazu zu überreden, Bohrungen nach Erdgas zuzulassen – gegen Geld und Beteiligungen. Das sind Tiefbohrungen, 3–4 Kilometer hinunter in die Erde, mithilfe von Wasser und Chemikalien. «Hydraulic fracturing» heißt das, weithin bekannt als «Fracking». Es sieht gut aus für Steve Butler, denn bei ihm unterschreiben die Leute für relativ wenig Geld. Seinen Erfolg erklärt er, fast bescheiden, damit, dass er halt wisse, wie man mit den Leuten reden muss. Denn er kommt selber aus einer kleinen Stadt am Land, Eldridge Iowa, dessen beste Tage spätestens dann vorbei waren, als die Landmaschinenfabrik geschlossen wurde.

Ortswechsel. McKinley, eine Kleinstadt. Steve trifft seine Kollegin Sue Thomason. Sue Thomason wird von Frances McDormand verkörpert (eine meiner Lieblingsschauspielerinnen spätestens seit Fargo von den Coen-Brüdern, sie ist mit Joel Coen verheiratet). Sie hat schon ein Auto gemietet, wieder mit Gangschaltung, d.h. dass sie fahren muss, denn Steve kann das nicht. Die erste Fahrt führt sie in einen Laden außerhalb des Ortes, «Guns, Guitars, Gas and Groceries» (Revolver, Gitarren, Benzin und Lebensmittel), ein wahrer Gemischtwarenhandel besonderer ländlicher Prägung. Sie kaufen natürlich keine Knarre, sondern statten sich mit Kleidung aus, mit der sie sich ins hiesige Umfeld am besten einfügen. Nur den Kauf von Schuhen verweigert Steve, er trägt ohnehin passende, die alten Boots seines Großvaters. Steve und Sue fahren zur ersten Farm. Ein kleiner Junge spielt draußen. «Gehört dir die Farm», fragt ihn Steve. «Nein,» sagt der Junge und Steve antwortet: «Warum tust du dann all die Arbeit?» Einer seiner Standardsätze, um mit den Leuten auf den Farmen warm zu werden – wir werden den Satz noch öfters hören. «Sie haben da noch das Etikett auf Ihrer Jacke,» sagt der Vater des kleinen Jungen, als er Steve ins Haus bittet und «schöne Schuhe» (die alten Boots des Großvaters von Steve – der eine Farm betrieb).

Der Film war für amerikanische Begriffe mit 18 Mio. Dollar eher Low-Budget. Der Staat von Pennsylvania sorgte für ein günstiges steuerliches Umfeld, 80% der Crew wurden vor Ort angeheuert. Gedreht hat man in Avonmore, Pennsylvania, laut Wikipedia ist das reale Avonmore eine Kleinstadt mit nur rund 820 Einwohnern und 344 Haushalten.

Steve Butlers erstes informelles Treffen mit dem Bürgermeister der kleinen Stadt läuft nicht so glatt. Dieser bringt Bedenken vor, die er bei seiner Internetrecherche gefunden hat – Gefahren für das Grundwasser. Butler deutet dies, ungeschickterweise, als einen Versuch, Bestechungsgeld rauszuschlagen und wird, nachdem er dem Bürgermeister 30.000 Dollar angeboten hat, etwas ungemütlich. Dies sei ein einmaliges Angebot, und wenn die Stadt sich nicht jetzt für die Gasbohrungen entscheide, würden es die anderen Städte vor ihr tun und der Teil des Kuchens für McKinley würde dann viel kleiner. Am nächsten Tag ist «town meeting». Steves Auftritt ist wieder nicht so ganz effizient, man sieht das vor allem an der Reaktion seiner Kollegin Sue. Und der ältere Naturwissenschaftslehrer, Frank Yates, erhebt Einwände. Am Ende wird die Entscheidung um drei Wochen vertagt.

Die Bosse in der Großstadt sind alarmiert. Nur mit Mühe behalten Steve und Sue die Aufgabe, die Stadt zu überzeugen.

Mehr sei vom Inhalt nicht verraten. Im Zuge des Films gab es Kritik von Seiten der Fracking-Industrie, ein konservativer Think Tank merkte genüsslich an, dass ein Teil der Finanzierung aus Abu Dhabi kommt, das ja ein Interesse daran hätte, dass die Erdgasförderung in den USA nicht so rasche Fortschritte macht. Doch die Firma Image Nation meinte, man würde Projekte unabhängig von ihrem Inhalt im Rahmen einer Partnerschaft mit der amerikanischen Produktionsfirma Participant Media finanzieren.

Der Film hält sich zurück, was das Fracking anbelangt. Und das ist gut so. Denn es geht viel mehr darum, wie Zukunft auf dem Land aussehen kann, um Verwurzeltsein und Respekt voreinander. Als der Film auf der Berlinale seine Europa-Premiere hatte (der Regissseur Gus Van Sant erhielt dafür eine lobende Erwähnung), meinte Matt Damon: «Wir wollen über keine Lösungen urteilen, sondern zeigen, was passiert», und: «Wir wollten einen Film über die amerikanische Identität machen.»

Nachtrag: Wer sich weiter filmisch über Fracking informieren will, kann das mit dem fracking-kritischen Dokumentarfilm Gasland von 2011 tun (er wurde für einen Oscar nominiert) bzw. mit Fracknation, eine Art Entgegnung darauf.


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