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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Oliver Bottini: Der kalte Traum

Krimi, Köln: Dumont, 2013. 446 S., 9,99 Euro
von Udo Bonn

Ein junger kroatischer Soldat in Großaufnahme, der einem greisen serbischen Zivilisten die Pistole an die Schläfe presst und mit der anderen Hand dessen Kopf an den Haaren nach hinten zu zerren scheint. Die Miene des Kroaten spiegelt blanken Zorn wider, die des Serben panische Angst. Augen und Mund sind aufgerissen. Aus der Nase läuft Blut. Das Foto des Kapetan. Die Bildunterschrift: 25.8.95, bei Knin: Ein serbischer Schlächter zittert vor der gerechten Strafe durch den jungen Kapetan.

Die Journalistin Yvonne Ahrens, seit mehreren Monaten in Kroatien lebend, langsam zur Ruhe kommend, stößt 15 Jahre nach seiner Aufnahme auf dieses Foto, das 1995 in einer Regionalzeitung in Split erschien. Wer ist dieser Kapetan und hat er getötet?

Zur gleichen Zeit, in der Nähe von Rottweil, zwei Männer, die sich erkundigen. Hier lebt der Mägges Bachmeier und er wird nach Thomas Cavar befragt, dem alten Freund, aufgewachsen in Deutschland, vom Vater in den kroatischen Nationalismus hineingezogen, jugendlicher Fahrer eines Hasspredigers, verschollen in Bosnien. Starb er 1995?

Angesichts des neuen Prozesses vor dem Internationalen Strafgerichtshof gegen kroatische Kriegsverbrecher müssen mögliche Belastungszeugen beseitigt werden, und deshalb ist es auch wichtig, zu erfahren, ob Thomas Cavar noch lebt. Für die alten Strippenzieher und Kommandanten wird gefoltert, brandgeschatzt und gemordet. Nach der Verrohung durch den Krieg wird mit den gleichen Methoden für Schweigen gesorgt.

Oliver Bottini hat für seinen Roman „Der kalte Traum“ den deutschen Krimipreis 2013 erhalten. Das Buch ist aber mehr als ein üblicher Kriminalroman, es klärt über die Verwicklung der deutschen Politik in den Zerfallsprozess Jugoslawiens auf. Nicht nur über die desaströse Anerkennungspolitik Genschers, sondern auch über vergessene Positionen der «Parteilinken» in der SPD wie Norbert Gansel, der 1991 mit der Theorie des Selbstbestimmungsrechts der Völker ideologische Schützenhilfe für Tudjman und Konsorten leistete.


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