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Für Irlands Freiheit

100 Jahre «Irish Volunteers»
von Florian Osuch

Vor 100 Jahren entstanden die «Irish Volunteers». Aus der 1913 gegründeten Organisation ging später die historische IRA hervor.

Seit Generationen treten in Irland Menschen für Demokratie und Selbstbestimmung ein. Die Geschichte des Freiheitskampfs ist jedoch tragisch. Bislang blieb nahezu jede Erhebung erfolglos. Noch immer hat Irland keine vollständige Souveränität. Großbritannien kontrolliert mit dem nordirischen Staatsgebilde bis heute einen beachtlichen Teil der Insel.Irische Freiheitskämpfer ließen sich von der Französischen Revolution inspirieren. Wolfe Tone, Gründer der United Irishmen (1791), wird bis heute verehrt. Eine Revolte, angeführt von Robert Emmet, schlug fehl (1803), ebenso die Battle of Ballingary (1848). Zehn Jahre später wurde in Dublin die Irish Republican Brotherhood gegründet. Sie war maßgeblich an einer Erhebung im Jahr 1867 sowie am Osteraufstand 1916 beteiligt.

Die Irish Volunteers entstanden vor 100 Jahren, im November 1913. Deren Entstehen stand im Zusammenhang mit der Home-Rule-Bewegung, das waren Bestrebungen zur stückweisen Selbstverwaltung Irlands. Erste Gesetze hatte es 1886 und 1893 gegeben. Anfang des 20. Jahrhundert erfuhr die Bewegung einen Aufschwung.

Drei Personen müssen hierbei genannt werden: Arthur Griffith, Drucker und Journalist, knüpfte an kulturelle Freiheitsbestrebungen an, förderte irische Literatur und Musik. Er gründete 1905 die Partei Sinn Féin. Der Gewerkschafter James Conolly hatte bereits 1896 die Irish Socialist Republican Party gegründet. Der zweite große Arbeiterführer, James Larkin, war 1907 nach Belfast gekommen, um zunächst die meist katholischen Tagelöhner im Schiffsbau und später die gesamte Arbeiterschaft zu organisieren.

Als 1911 die Liberalen in Großbritannien die Wahlen gewannen, schien einer dritte Auflage von Home Rule nichts mehr im Wege zu stehen. Die probritischen Unionisten im Norden Irlands fürchteten um ihre Vorherrschaft. Edward Carson bildete eine Gegenbewegung und rief zum Aufstand auf, falls Home Rule Gesetz würde. Man sei dann gewillt, in einem nordirischen Teilstaat die Regierung selbst zu übernehmen. Dazu wurde die Freiwilligenmiliz Ulster Volunteer Force (UVF) aufgestellt.

Die proirischen Kräfte wollten gegenüber Großbritannien ebenfalls Stärke zeigen und gründeten die Irish Volunteers (irisch: Óglaigh na hÉireann). Chef der zeitweise fast 200.000 Mitglieder umfassenden Organisation war Eoin MacNeill, zahlreiche Posten besetzte die Irish Republican Brotherhood.

Kurz nachdem Großbritannien 1914 in den Ersten Weltkrieg eingetreten war, unterzeichnete der englische König Gesetze zur Home Rule. In Kraft treten sollten sie jedoch erst nach Beendigung des Krieges, was zu Spannungen innerhalb der proirischen Bewegung führte. Streit gab es auch über ein Angebot von John Redmond von der Irish Parliamentary Party an die Regierung in London, irische Freiwillige für das Empire in den Krieg zu schicken. Redmond setzte sich durch, bis zu 175.000 Männer wurden zu einer irischen Division zusammengezogen.

Eine Minderheit von 15.000 Unterstützern sammelte sich um Eoin MacNeill. Sie bestanden auf Irlands Neutralität im Ersten Weltkrieg. Die Anhänger der Irish Republican Brotherhood wollten die Tatsache ausnutzen, dass Großbritannien mit dem Krieg beschäftigt war, und mobilisierten für einen Aufstand. Da allgemein bekannt war, dass Eoin MacNeill derlei Pläne ablehnte, wurde die Revolte hinter dessen Rücken geplant. Es gab erhebliche Probleme: Wenige Einheiten waren informiert und diese obendrein ohne militärische Erfahrung. Unterstützung fand der geheime Plan jedoch bei der kleinen republikanisch-sozialistischen Irish Citizen Army, die von den Gewerkschaftern James Larkin und James Connolly zum Schutz der Arbeiter gebildet worden war.

Am Ostermontag des Jahres 1916 brach in Dublin der Aufstand los. Die gerade einmal 1600 Bewaffneten hatten keinerlei Chance, Großbritannien niederzuringen. Zwar proklamierte Patrick Pearse die Irische Republik, die jedem Menschen im Land gleiche bürgerliche und religiöse Rechte garantieren sollte. Doch nach wenigen Tagen hatte das britische Militär die Revolte niedergeschlagen. Die Brutalität der englischen Armee empörte viele Iren, die den Aufstand zunächst skeptisch verfolgt hatten. Teile der Dubliner Innenstadt waren zerbombt, 3500 Menschen wurden verhaftet oder verschwanden ohne Urteil in Gefängnissen. Ein Kriegsgericht verurteilte 90 Anführer des Aufstandes zum Tode, bei 15 Personen wurde das Urteil vollstreckt.

Obwohl der Osteraufstand scheiterte, hatte er große Ausstrahlungskraft auf die folgenden Jahrzehnte. Da viele Iren die Erhebung allgemein mit Sinn Féin in Verbindung brachten, obwohl deren Führer Arthur Griffith an der Revolte gar nicht beteiligt war, vergrößerte sich deren Unterstützung erheblich. 1918 wurde in Großbritannien gewählt und Sinn Féin konnte ihren Stimmenanteil vervielfachen. Die Partei errang 74 von insgesamt 105 irischen Sitzen im Parlament von Westminster. Doch statt ihre Sitze in London einzunehmen, bildeten die Abgeordneten 1919 eine eigene Regierung in Dublin.

Die Irish Volunteers waren inzwischen mit der sozialistischen Irish Citizen Army zusammengelegt und nannten sich fortan nur noch Irish Republican Army (IRA). Mit dem Anglo-Irischen Vertrag wurde 1921 die Teilung Irlands besiegelt. Das irische Parlament stimmte mit knapper Mehrheit für die Gründung Südirlands, das jedoch weiterhin im britischen Commonwealth verblieb. Im Norden entstand ein spätkolonialer Apartheidstaat, in dem die irisch-katholische Bevölkerungsminderheit als Bürger zweiter Klasse lebte. Etwa ab den 70er Jahren führte dort eine reorganisierte IRA einen Guerillakrieg gegen die britische Besatzung, der 1998 in das «Karfreitags-Friedensabkommen» mündete. Ihre Wurzeln sah die moderne IRA in den Irish Volunteers.


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