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Dominique Manotti: Zügellos

Hamburg: Argument, 2013. 286 S., 18 Euro, und:
Charlotte Otter: Balthasars Vermächtnis. Hamburg: Argument, 2013. 316 S., 13 Euro

von Udo Bonn

Zwei lesenswerte Kriminalromane, von denen einer in Frankreich, der andere in Südafrika spielt.Kaum hat der Argumentverlag in der Krimireihe «Ariadne» einen neuen Roman von Dominique Manotti veröffentlicht, rangiert dieser ganz oben auf der monatlichen Krimibestenliste der Zeit. Und dies wie immer zu recht.

Zügellos schildert in schöner Doppeldeutigkeit die von Machtinstinkt und Aufstiegswillen getriebenen Wirtschaftsmanöver ehemaliger 68er, Kokspartys der Mitterrandschen High Society, in Flammen aufgehende Rennpferde und dazwischen ein unkorrumpierbarer Kommissar, der seinen Liebhaber durch den Fall der Mauer verliert. Dominique Manotti ist wie immer große Klasse und bei ihr muss hier nicht mehr geschrieben werden. Lesen.
Im gleichen Verlag ist Charlotte Otters erster Roman Balthasars Vermächtnis erschienen.
KwaZulu-Natal in der Nach-Apartheid-Ära: In der Regionalhauptstadt Pietermaritzburg wird der Aktivist Balthasar Meiring vor dem Aids-Haus erschossen, die Polizei tippt auf das Übliche: einen verunglückten Raubüberfall. Damit kann sich die Journalistin Magdalena Cloete nicht abfinden. Gegen den Widerstand ihrer Redaktion (sie soll berichten und nicht hinterfragen), bleibt es nicht bei einem Beileidsbesuch bei der Familie des Toten. Sie fährt auf die Farm der Meirings und trifft auf eine Afrikaanerfamilie alten Typs. So wenige Reaktionen auf den Verlust des Sohnes, der für Jahre in London gelebt hatte und sich nach seiner Rückkehr ganz der Unterstützung von HIV-Infizierten in seiner Heimat widmete. Hatte sein Tod etwas mit dem Prozess gegen einen deutschen Quacksalber zu tun, der an Kranke nutzlose oder gar schädliche Präparate verkauft, der die Käuferfamilien in den finanziellen Ruin treibt und die Kranken in den Tod?
Auf dem Land, wo tausend Menschen pro Tag an Aids sterben, ist das wunderschöne Tal der tausend Hügel zum Tal des Todes geworden. Bedrückend schildert Otters das Sterben der Dörfer, die zugrundegehende gegenseitige Hilfe, um so empörender die Geschäftemacherei der neuen Politikerkaste und die brutale Gleichgültigkeit der ehemaligen Herren. Charlotte Otters Roman gewinnt in den Momenten, wo sie das Actiontempo drosselt und die Stärken der Heldinnen des neuen Südafrika zum Vorschein kommen lässt: Ihren Willen, sich dem alten und neuen Machismo nicht zu ergeben, der männlichen Gewalt in allen Angelegenheiten zu trotzen.
Mit ihren Frauengestalten unterscheidet sich Charlotte Otter von allen neueren südafrikanischen Krimischriftstellern, so spannend deren Bücher auch sein mögen.


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