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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 12/2013 |

Gender-Gerechtigkeit, Kommunismus, Eritrea

Betr.: Gespräch über geschlechtergerechte Gesellschaft, SoZ 11/2013

von Huck Finn

Die Gewerkschaften sind in hohem Maße eine Männerdomäne geblieben. Deswegen könnte ich mir gut vorstellen, dass gewerkschaftliche Frauengruppen in jedem Betrieb, in dem auch Frauen arbeiten, gegründet werden.Ich denke da nicht an Gruppen, die einer bestimmten Partei o.ä. zugehörig sind, sondern an Frauengruppen, in denen Frauen verschiedener politischer Auffassung zusammenarbeiten. Es könnten auch Frauengruppen an Universitäten und Schulen gegründet werden. Wir können viel lernen von den Bewegungen der 70er und 80er Jahre, und ich könnte mir vorstellen, dass die Gewerkschaftsspitzen von Ver.di oder der GEW einen solchen Schritt vielleicht unterstützen würden, während in den anderen Gewerkschaften so etwas mühsam von unten erkämpft werden müsste. Dann wäre die Zeit vielleicht auch endlich gekommen, dass Frauen zu Gewerkschaftsführern gewählt werden. Einen solchen Prozess begleiten könnte eine Frauenzeitschrift wie Courage, wie sie in den 70er und 80er Jahren existierte. Ich denke, so kämen wir einen Schritt voran auf dem mühsamen Weg zu einem ArbeiterInnenkern.

Mit freundlichen Grüßen

Huck Finn

Betr.: «Was tun mit Kommunismus?!», SoZ 11/2013

Der Rezensent des Bandes Was tun mit Kommunismus?! findet diesen Band zu Recht unergiebig und hebt einzig den Artikel von S.Gerhardt positiv hervor. Er kritisiert die Position von Dieter Klein und Michael Brie. Diese für die PDS bzw. Linkspartei zentralen Theoretiker machen zu Recht einen Unterschied zwischen modernen und kapitalistischen Gesellschaftsstrukturen, sehen aber zu Unrecht in den modernen Strukturen die Chance, ausgehend von ihnen den Kapitalismus zurückdrängen zu können. S.Gerhardt (S.329) setzt nun diese Position von Klein, Brie u.a. mit der Analyse gleich, die Meinhard Creydt in seiner «Theorie gesellschaftlicher Müdigkeit» vorlegt. Creydt war mehrfach Autor in der SoZ bzw. den Sozialistischen Heften. Der Inhalt seines Buchs ist u.a. zu zeigen, wie in der kapitalistischen Gesellschaft die kapitalistischen Strukturen die modernen Strukturen überformen, wie die modernen Strukturen auf ihre eigene Weise dazu beitragen, eine Überwindung des Kapitalismus zu erschweren, und wie moderne Strukturen auch in der nachkapitalistischen Gesellschaft ein Problem bilden. Mit der positiven Modernetheorie von Klein und Brie hat das nichts zu tun. Kritik an Dieter Kleins Position ist explizit das Thema von Creydts Artikel „Kann der Eigensinn gesellschaftlicher Teilsysteme ein Bündnispartner gegen die ‹Profitdominanz› sein?» (Marxistische Blätter, 5/2010). Gerhardt verbreitet, Creydts Arbeit enthalte so etwas wie eine «Herleitung von gesellschaftlicher Ungleichheit aus funktionalen Problemen der ‹modernen Gesellschaft›» (S. 329). Das ist frei erfunden.

Matthias Oberg

Betr.: «Eritrea – ein Land im Abseits», SoZ 11/2013

Auch ich bin erschüttert über die vielen ertrunkenen Eritreer vor Lampedusa. Ich habe ein Foto aus Asmara, Hauptstadt von Eritrea, von einer Wand mit lauter Todesanzeigen – Eritreer, die vor Lampedusa starben. Eine Freundin, die zu der Zeit dort war, schickte es mir und berichtete, dass die Trauer in der Stadt überall sichtbar und spürbar war.

Wenn ich im Wesentlichen der Kritik im oben genannten SoZ-Artikel an der Diktatur in Eritrea zustimme, so finde ich trotzdem den Artikel einseitig. Seit vielen Jahren arbeite ich in der kleinen NGO «Kinderhilfe Eritrea» mit und habe auch einmal für zwei Wochen das Land bereist. Ich möchte auf der Basis meiner Erfahrungen und fortwährenden Recherchen über das Land auf folgende grundsätzlich strukturell positiven Aspekte des Landes hinweisen:

* Ich habe die Bildungssituationen vom Kindergarten bis zu den Universitäten, einschließlich etlicher großer, moderner Berufsschulzentren gemessen an den Standards afrikanischer Staaten als überdurchschnittlich gut erlebt, einschließlich der dem Land angepassten Bildungsinhalte und sehr engagierter Lehrkräfte.

* Bettler habe ich kaum gesehen.

* Jugendarbeitslosigkeit, Jugendbanden krimineller Art wie in vielen anderen afrikanischen Staaten gibt es kaum, die Kehrseite der Zwangsarbeit im «Nationaldienst».

* Dort werden große und inzwischen sichtbar erfolgreiche Bewaldungsprojekte und viele kleine Staudämme gebaut, so dass in den letzten Jahren die Ernährungslage zu keiner großen Katastrophe geführt hat, auch, weil der Staat in Speichern eine Vorratsbewirtschaftung führt.

* Landgrabbing durch Ausländer gibt es nicht.

* Der Staat versucht auf dem Land in Kommunen soziale Netzwerke einzurichten, anknüpfend an alte eigene Traditionen der Selbstverwaltung.

Durchgehend spürbar ist der Versuch des Staates, einen eigenen Weg zu gehen zwischen der westlichen Moderne und den Abhängigkeiten durch deren finanzielle Unterstützung auf der einen Seite und der eigenen Tradition und sozialistisch ausgerichteten Leitlinien auf der anderen Seite. Die grundsätzlich bittere Armut des Landes und ständige kriegerische Bedrohung durch Äthiopien belasten einen konstruktiven Aufbau des Staates. Der Spagat zwischen staatlich diktatorischer Führung und gesellschaftlicher Teilhabe auf unteren zivilgesellschaftlichen Ebenen scheint zu misslingen. Ebenso wird der Vorrang kollektiver Ziele für das ganze Land vor privater Freiheit und Entfaltungsmöglichkeit für das Individuum von breiten Bevölkerungsteilen immer weniger akzeptiert bzw. sinkt die Hoffnung, in diesem Rahmen privates Glück aufbauen zu können. Hier liegen wesentliche Fluchtgründe.

Ein Vergleich zwischen der Situation der DDR und Eritrea drängt sich mir auf.

Gertrud Koch

 


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