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Studi-Wohnheime statt Luxuslofts!

Bundesweite Aktionswoche «Studis gegen Wohnungsnot»
von Kerstin Wolter, Max Manzey

In der Woche vom 4. bis 8.November protestieren Studierende im Rahmen von bundesweiten Aktionstagen in über 17 deutschen Universitätsstädten gegen steigende Mieten. Anlass dafür war die sich seit Jahren zuspitzende Wohnungsnot unter Studierenden.

Zu Beginn des Wintersemesters strömen jedes Jahr hunderttausende Erstsemester an die Hochschulen und machen sich auf die Suche nach einer Wohnung.

Diese Suche wird in vielen Unistädten von Jahr zu Jahr schwieriger. In den drei teuersten Städten, Köln, München und Hamburg, muss ein Student mittlerweile rund 350 Euro für ein Zimmer ausgeben. Tendenz steigend. Gleichzeitig fehlen ausreichend Plätze in den oft günstigeren Studentenwohnheimen. Aktuell stehen deutschlandweit rund 50.000 Studierende auf den Wartelisten für einen Platz im Studentenwohnheim.

Deshalb hat sich zu Beginn des Wintersemesters das bundesweite Bündnis «Studis gegen Wohnungsnot» gegründet, an dem sich u.a. der fzs (freier Zusammenschluss von studentInnenschaften), Die Linke.SDS sowie andere parteinahe Hochschulgruppen und Jugendorganisationen der Gewerkschaften beteiligten. Ziel des Bündnisses war es, das Thema der studentischen Wohnungsnot an den Hochschulen präsent zu machen, auf die Straße zu tragen und Forderungen nach dem Ausbau von Wohnheimplätzen und nach einer Rekommunalisierung von Wohnraum zu stellen. Dabei war es dem Bündnis wichtig, die Lage der Studierenden in einen gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang zu stellen.

Im Rahmen der Mietenaktionstage fanden in vielen Städten unterschiedlichste kreative Aktionen, Podiumsveranstaltungen und Demonstrationen statt. In München machten Studierende mit einer Aktion an der Universität auf ihre prekäre Wohnsituation aufmerksam: Sie legten sich mit Schlafsack und Matratze in den Innenhof des Hauptgebäudes – ganz nach dem Motto: «Wenn wir keine Wohnung finden, müssen wir halt in die Uni ziehen.»

An der TU Berlin haben die Studierenden sogar eine Nacht in der Universität gecampt, um auf den Wohnraummangel hinzuweisen. In Trier wurde die Universität gleich zum Wohnzimmer umfunktioniert – mit Sofas, Sesseln, Lampen und anderen Einrichtungsgegenständen richteten sie sich auf dem Campus ein. An der FU Berlin wurde eine ähnliche Aktionsform direkt mit einer inhaltlichen Fragestunde verbunden, eingeladen war eine Anwältin der Berliner Mietergemeinschaft.

Die dezentralen Aktionstage haben das Thema der studentischen Wohnungsnot in die mediale Öffentlichkeit getragen. Viele regionale und bundesweite Zeitungen, Fernseh- und Radiosender haben über die Aktionen berichtet. Dennoch ist eine große Beteiligung unter den Studierenden ausgeblieben. Trotz großer positiver Resonanz auf dem Campus haben sich beispielsweise an der Demonstration in Berlin nur etwa 300 Studierende beteiligt.

In den letzten Jahren ist es in Deutschland, mit wenigen Ausnahmen, nicht gelungen, die Menschen für das Recht auf Wohnraum zu mobilisieren. Der Widerstand gegen steigende Mieten ist stark zersplittert und läuft hauptsächlich vereinzelt in Form der direkten Auseinandersetzung zwischen Mieter und Vermieter ab. Auch an den bundesweiten Demonstrationen unter dem Motto «Keine Profite mit der Miete» Ende September beteiligten sich nur relativ wenige Menschen. Die Demonstration in Hamburg war mit 5000 Teilnehmern der absolute Spitzenreiter.

Das Thema wird uns jedoch auch in den kommenden Jahren weiter begleiten – wenn nicht ausreichend politischer Widerstand aufgebaut wird, wird sich die Situation weiter verschlechtern. Die Pläne von CDU und SPD sind da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Solange mit Wohnraum Profit erwirtschaftet wird, werden die Mieten steigen und diejenigen, die sie sich nicht mehr leisten können, werden an den Rand der Städte gedrängt. Dazu zählen Studierende ebenso wie andere Gruppen in prekären Lebens- und Arbeitsverhältnissen.

Auf dieses Missverhältnis aufmerksam zu machen, haben die Mietenaktionstage trotz allem erreicht. Zudem wurden Bündnisse geschmiedet, auf die in den kommenden Jahren aufgebaut werden kann. Sie werden nochmals wichtiger werden, wenn die Schuldenbremse in den Städten und Kommunen dazu beiträgt, dass diese weiter auf die Privatisierung von Wohnraum setzen. Die Forderung nach dem Recht auf Stadt bleibt zentral.

Kerstin Wolter ist Bundesgeschäftsführerin, Max Manzey Mitglied des Bundesvorstands von Die Linke.SDS.


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