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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 02/2014 |

Jim Thompson: Zwölfhundertachtzig schwarze Seelen

Zürich: Diogenes, 1992. 267 S., 8,90 Euro

von Udo Bonn

«Was halten Sie von den Bullschiwitzkis? Werden sie den Zaren stürzen?» Nick ist nicht der hellste Kopf im Zwölfhundertachtzig-Seelen-Kaff Pottsville, irgendwo in Texas Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Und er ist faul. Und er ist der Sheriff der kleinen Gemeinde. Nur mit Mühe und Trickserei ist es ihm bislang gelungen, seine Wiederwahl zu sichern. Aber für die Zukunft sieht es nicht gut aus. Die Leute sind es leid, dass es keine Verhaftungen gibt, und ihnen wird auch zu wenig gelyncht. Und dann wird er auch noch von den lokalen Zuhältern verspottet, seine Frau scheint ihn mit ihrem «Bruder» zu betrügen, Nicks Geliebte verlangt viel, und dann gibt es auch noch die eine Frau, die er einst umworben und verloren hat.

Keine guten Bedingungen, um im Büro die Stiefel auf den Schreibtisch zu legen und den Tag zu verdösen oder hin und wieder eine kleine Böswilligkeit zu organisieren. Er bricht mit der Eisenbahn in die Nachbargemeinde auf und holt sich Rat bei einem Kollegen: Er muss handeln!

Die Zuhälter werden beseitigt, ebenso ein gewalttätiger Ehemann, ein Schwarzer stirbt, obwohl Nick eigentlich kein Rassist ist. Damit nichts auf ihn zurückfällt, spielt er alle, die mit ihm zu tun haben, gegeneinander aus und stilisiert sich selbst zum Erlöser.

Jim Thompsons Roman Pop.1280 erschien 1964 in den USA, und noch 50 Jahre danach handelt es sich um einen der besten Noir-Romane, die je geschrieben worden sind. Dessen Verfilmung Der Saustall – von Bertrand Tavernier mit Philippe Noiret, Isabelle Huppert und Stéphane Audran (1981) – steht dem Roman in nichts nach und bereichert durch die Verlegung der Geschichte nach Westafrika Ende der 30 Jahre um eine Kritik der französischen Kolonialpolitik. Lese- und Sehvergnügen für ein perfektes Wochenende allein zu Haus.

 

 


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