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Die Solidarnosc und die Ultrarechte

Keltische Kreuze und rassistische Losungen

von Jacek Roso?owski

Die Sympathien für die Rechten innerhalb einer großen Zahl von Funktionären der Solidarnosc überraschen nicht. Ganz deutlich ist die Annäherung dieser Gewerkschaft an die Partei von Jaros?aw Kaczy?ski – PiS. Durch eine ständig anwachsende autoritäre und nationalistische Tendenz in der polnischen Politik, arbeiten immer mehr regionale Gliederungen dieser Gewerkschaft mit Ultrarechten zusammen.So organisiert als Beispiel die NSZZ Solidarnosc in der Region Rzeszów zusammen mit den Nationalisten des „Nationalen Rzeszów“ gemeinsame Proteste, Demonstrationen und Treffen. Die Mitglieder, die Farben und Symbole sind Seit an Seit dabei zusehen.  Die Mitglieder der Solidarnosc scheinen also die keltischen Kreuze und die rassistischen Losungen der Nationalisten nicht zu stören.

Auch in Czestochowa, Lublin und Gorzów haben sich diese Gewerkschafter den Reihen der Ultrarechten angeschlossen. So auch Jaros?aw Porwich, ein langjähriger Funktionär der Solidarnosc, dessen Oppositionsrolle bis 1980 reicht, wo er beim „Unabhängigen Jugend Verband“ mitmachte.  Heute ist er Mitglied des regionalen Machtapparates. Seit 2006 ist er der Vorsitzende der NSZZ Solidarnosc der Region Gorzów, die dort eine besondere Schwäche  in  Arbeitskämpfen zeigt. Vielleicht ist das die Ursache für die enge Zusammenarbeit mit dem radikalen rechten Fußballclub „Stal Gorzów“, dessen Mitglieder von den faschistoiden Funktionären von der „Nationalen Wiedergeburt Polens“ angeleitet werden. Dieser Fußballclub aus Gorzów ist in ganz Polen berüchtigt für seine rassistischen und antisemitischen Losungen und seine außergewöhnliche Brutalität. Vielleicht fühlen sich die Gewerkschaftsfunktionäre dadurch gestärkt.

Die beiderseitige Zusammenarbeit wurde durch die lokalen Medien öffentlich, als nach dem „Marsch der Unabhängigkeit“ am 11. 11. 2011 der „Club Stal“ auf der Internetseite sich bei der NSZZ Solidarnosc der Region Gorzów für die finanzielle Unterstützung für die Fahrkosten bedankte. Gleichzeitig fanden aber auch in der Region gemeinsame Demonstrationen und Veranstaltungen statt. Als am 26. März 2013 zur Unterstützung des Generalstreiks in Oberschlesien eine Kundgebung der örtlichen Solidarnosc stattfand, waren Funktionäre der faschistoiden „Nationalen Wiedergeburt Polens“ eingeladen, die alle Teilnehmer mit ihren Flugblättern zuschütteten.

Jaros?aw Porwich bekannte sich am 21.11. 2011 in der lokalen Ausgabe der „Gazeta Wyborcza“ zur Zusammenarbeit mit den Ultrarechten und sah darin nichts Negatives. Nach seiner Meinung wäre dies nur eine Unterstützung der patriotischen Jugend. Er sagte: „Die Arbeiter unterstützen wir in einem ausreichenden Maße aber wir haben auch andere Verpflichtungen, die damit nicht kollidieren.“ Jeder,der die Realitäten in Gorzów kennt, weiß, wie gering das Engagement dieser Gewerkschaft in der Region ist. Erinnert sei nur an die ausstehenden Löhne für die 300 ehemaligen Mitarbeiter (davon sind 80 Mitglieder der Solidarnosc) der privatisierten Klinik in Kostrzy? für die seit sechs Jahren gekämpft wird. Die Unterstützung beschränkte sich auf einige Aussagen in den lokalen Medien.

In einem Interview von TV  Gorzów hat Jaros?aw Porwich die Organisatoren des „Marschs der Unabhängigkeit“ am 11. November verteidigt. Es sei daran erinnert, dass es bei diesem Marsch zu brutalen Ausschreitungen gegen die Unterstützer von Migranten und Zwangsgeräumten in den Gebäuden von „Syrena“ und der Poliklinik kam ,  des Weiteren haben sie das Kunstwerk „Regenbogen“ angezündet und attackierten die russische Botschaft. Es entstand ein Schaden von mindestens 120.000 Z?oty, dreizehn Autos wurden beschädigt und es gab viele Verletzte. Nach diesem Interview konnten wir uns nicht des Eindrucks erwehren, dass dort nicht mit einem Gewerkschaftsführer, sondern mit einem Führer der ultrarechten Szene gesprochen wurde, der den Nationalismus verteidigte indem er dies durch das Lob patriotischer Werte vernebelte.

Sowohl Jaros?aw Porwich als auch seinesgleichen riskieren viel. In den Reihen der Solidarnosc gibt es viele Mitglieder, die nicht die Politik von Kaczy?ski unterstützen und noch weniger die Aktionen der Ultrarechten, die sich zu autoritären Tendenzen bekennen. Die Geschichte hat nicht nur einmal gezeigt, dass diese Richtung eine große Gefahr für die Arbeiterschaft und ihre Organisationen darstellt. Einen noch größeren Schaden kann das der Solidarnosc auf der internationalen Ebene bringen. Die große Mehrheit der westlichen Gewerkschaftsverbände toleriert in  keiner Weise eine Zusammenarbeit mit rechten Organisationen.

Artikel aus dem Bulletin der Gewerkschaft INITIATYWA PRACOWNICZA; Nr. 39, II 2014, mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Übersetzung: Norbert Kollenda

 

 


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