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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 03/2014 |

Monuments Men

USA 2014, Regie: George Clooney

von Angela Huemer

Das allererste was ich in meine Studium der Kunstgeschichte tun musste, im Proseminar 1, war ein Bild zu beschreiben, um zu lernen, genau hinzusehen. Nicht irgendein Bild, es war der Genter Altar der flämischen Maler Jan und Hubert van Eyck, eines der wichtigsten Kunstwerke der westlichen Welt, eines, das in keinem der Überblickswerke der Kunstgeschichte fehlt – und auch eines der schönsten. Und irgendwo zu Hause liegen auch noch die Dias des Altars, die ich vor mehr als 20 Jahren kaufte, als ich zum erstenmal in Gent war. Zur Zeit wird er penibel restauriert, ein Paneel nach dem andern, der Rest ist wie immer, sicher hinter Glas verwahrt zu sehen, auch die Restaurierung kann man beobachten, im Stadtmuseum von Gent.

Gleich zu Beginn von Monument Men sehen wir Ausschnitte des Genter Altars und bald darauf wird die Frage aufgeworfen, ob die Rettung von Kunstwerken es wert ist, Menschenleben zu opfern? Wir sind im Krieg, da geht es um Menschenleben, und wie soll man erklären, wenn Soldaten für die Rettung eines Kirchturms umkommen? George Clooneys Plädoyer ist leidenschaftlich: «Wenn Michelangelos David noch stehen soll und die Mona Lisa noch lächeln nach dem Krieg, müssen wir was tun.»

Clooney spielt natürlich nicht Clooney, sondern Frank Stokes, der wiederum den realen Museumskonservator George Stout verkörpert. Der Film basiert auf dem Buch The Monuments Men: Allied Heroes, Nazi Thieves and the Greatest Treasure Hunt in History von Robert M. Edsel (mittlerweile auch auf deutsch erschienen: Die Jagd nach Hitlers Raubkunst, München: Heyne, 2014).

«The private collections are all gone», die privaten Sammlungen sind alle weg, sagt Cate Blanchett, die Claire Simon verkörpert, die wiederum auf der realen französischen Kunsthistorikerin Rose Valland basiert. «Where?», wo sind sie hingekommen, fragt Matt Damon alias James Granger. «To their private homes», zu sich nach Hause. Rose Valland arbeitete im Pariser Museum Jeu de Paume, das ab dem Oktober 1942 Hauptquartier des Einsatzstabs Reichsleiter Rosenberg (ERR) war. Der ERR war von Hitler zur Konfiszierung von Kulturgütern ermächtigt, d.h. er hatte die Erlaubnis zum Kunstraub. Rose Valland führte genau Buch, ihre Aufzeichnungen sollten später ganz wesentlich werden bei der Rückgabe von Kunstwerken. Matt Damon entdeckt bei der Sichtung der noch vorhandenen Bilder den Namen und die Adresse der Besitzer eines der Gemälde, ein Porträt, es steht auf der Rückseite des Bildes. Er macht sich auf den Weg und gelangt in eine leere Wohnung in einem Hinterhof. Cate Blanchett folgt ihm. «Sie werden nie wiederkommen», sagt sie, während wir an den Schmierereien an der Wand erkennen, dass es sich um eine jüdische Familie gehandelt haben muss. «Ich habe den Auftrag, geraubte Kunstwerke ausfindig zu machen und sie wieder zurückzugeben. Dies scheint ein guter Ort zu sein, um damit anzufangen», antwortet Matt Damon.

Der Film kommt zum richtigen Zeitpunkt in die deutschen Kinos. Es sind Szenen wie die oben beschriebene, die dies deutlich machen. Durch den Fall Gurlitt wurde einer breiteren Öffentlichkeit bewusst, wie viele Kunstwerke noch verschollen sind und dass es bei privaten Sammlungen noch nicht mal eine rechtliche Handhabe für die Rückgabe gibt und die früheren Eigentümer auf das Wohlwollen der heutigen Eigner angewiesen sind. Die echten Monuments Men hatten auch 125 Werke aus der Sammlung Hildebrand Gurlitts, Cornelius Gurlitts Vater, geborgen und ihm 1950 wieder zurückgegeben. Sie sind Teil von Cornelius Gurlitts aktueller Sammlung, die im November aus Steuerschuldgründen beschlagnahmt wurde.

Eine weitere Filmszene ist in diesem Zusammenhang sehr gut gelungen und basiert tatsächlich auf einer realen Begebenheit. Bill Murray alias Captain Richard Campbell hat starke Zahnschmerzen und landet deshalb beim örtlichen Zahnarzt in einer deutschen Kleinstadt. Er erzählt, warum seine Gruppe hier ist, worauf der Zahnarzt seinen Schwiegersohn empfiehlt, der kenne sich mit Kunst aus – Soldat sei er gewesen, wie die Amerikaner ja auch.

Flugs sind sie beim Schwiegersohn Stahl samt Familie zu Kaffee und Kuchen eingeladen. An der Wand hängen viele Bilder, «alles Kopien,» meint Stahl. Nach und nach merkt Bob Balaban alias Private Preston Savitz, dass die Cézannes und Renoirs mitnichten Kopien sind. Er fragt, ob denn Frau Stahl englisch spreche, «Nein, tut sie nicht.» Dann legt Bob Balaban los, unauffällig legt Bill Murray seine Pistole neben die Kaffeetasse. Die Bilder wurden alle wieder zurückgegeben, doch unwillkürlich fragt man sich bei dieser Szene, wie viele Kunstobjekte wohl noch in privaten Wohnungen hängen und stehen? So unglaublich es scheinen mag, basiert eben diese Szene auf einer wahren Begebenheit, man kann sie, dank Guardian Online auf der Seite des Kunsthistorikers Noah Charney nachlesen, wo sie ein Exzerpt seines Buches über den Raub des Genter Altars ist (www.noahcharney.com/pdf/MysticLambTeaser.pdf). Im wirklichen Leben hieß der SS-Mann Hermann Bunjes, er erhängte sich 1945 im Gefängnis.

Der Film konzentriert sich auf wenige berühmte und wichtige Werke, neben dem erwähnten Genter Altar spielt auch die Statue der Madonna mit Kind von Michelangelo, die er nach Brügge verkaufte, eine große Rolle.

Der Film ist pures Hollywood, er verdichtet historisches Geschehen und richtet sich gekonnt an ein breites Publikum. Mitunter gibt es zuviel und zu schmalzige Musik, und offen gestanden hätte man vom Regisseur Clooney etwas mehr erwartet. Doch er ist unterhaltsam und lockt sicherlich viele Zuschauer ins Kino, die sich sonst nicht mit dem Thema beschäftigen würden.

 


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