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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 04/2014 |

Tony Benn

1925–2014

Am 14.März, drei Wochen vor seinem 89.Geburtstag, starb Tony Benn, der seit vier Jahrzehnten die Galionsfigur der antikapitalistischen Linken in der britischen Labour Party war.

In den 60er und 70er Jahren bekleidete Tony Benn in den Labour-Regierungen unter Wilson und Callaghan verschiedenen Ressorts (erst als Post-, dann nacheinander als Technologie-, Industrie- und schließlich Energieminister). Ab den 70er Jahren trat Benn, der in den 50er Jahren noch die Partei-Rechte gegen die Linke um Aneurin Bevan unterstützt hatte, in der Partei zunehmend als Vertreter des linken Flügels auf. So trat er für die Verstaatlichung der Großbetriebe der wichtigsten Industriebranchen ein. Benn ist der seltene Fall eines Politikers, der sich durch seine Erfahrungen in der Regierung radikalisierte.

Nach der Niederlage von Labour bei den Unterhauswahlen 1979, die zu einer Verschärfung der innerparteilichen Richtungskämpfe und 1981 zu einer Abspaltung der äußersten Partei-Rechten um Shirley Williams und David Owen führte, wählte die Labour Party den Parteilinken Michael Foot zum Vorsitzenden. Benn kandidierte für den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden. Der rechte Flügel der Arbeiterbewegung führte, unterstützt von der reaktionären Presse, eine massive Kampagne gegen Benn, der die Wahl denkbar knapp verlor – um ein halbes Prozent, infolge der Entscheidung einer kleinen Gruppe «linker» Parlamentsabgeordnete um Neil Kinnock, damals ein Vertreter der «soft left». Kinnocks Wahl zum Parteivorsitzenden zwei Jahre später markierte den zweiten Akt des Niedergangs der Labour-Linken. Wie einst Harold Wilson kam Kinnock aus der Linken und war deshalb der geeignete Mann um die Hexenjagd gegen die Parteilinke zu beginnen, die mit der Kampagne gegen die Militant-Strömung ihren Anfang nahm. Das Resultat waren Tony Blair und New Labour sowie die Isolation von Benn in der Partei.

Tony Benn jedoch blieb seinen Idealen treu. Er wandte sich 1982 gegen den Falkland-Krieg, unterstützte 1984/85 den Bergarbeiterstreik und war während des Golfkriegs 2003 Vorsitzender der Stop the War Coalition. 2001 verzichtete er in seinem Wahlkreis Chesterfield auf eine erneute Kandidatur zu den Unterhauswahlen, «um mehr Zeit für Politik zu haben». Bis zum Schluss unermüdlich, brachte ihm seine entschiedene Parteinahme für die Ausgebeuteten und Unterdrückten den Respekt auch der gesamten radikalen Linken jenseits der Labour Party ein, wovon auch die zahlreichen Nachrufe zeugen.

Lesenswerte Beiträge u.a. auf http://socialistresistance.org (Phil Hearse), www.redpepper.org.uk (u.a. Hilary Wainwright), www.counterfire.org (John Rees).

 


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