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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 06/2014 |

Die Bergleute des Kriwbass auf der Straße

Gegen Oligarchen und Separatisten

von Linke Opposition

Am 11.Mai sind die Bergleute von Kriwoj Rog (in der Industrieregion von Dnepropetrowsk, dem «Kriwbass») mit der Forderung nach einer 100%igen Lohnerhöhung auf die Straße gegangen. Der Marsch einiger hundert Personen durch die Hauptstraßen der Stadt wurde von der unabhängigen Gewerkschaft der Bergleute der Ukraine organisiert.
Die Initiative dazu hat u.a. die Unterstützung der sozialistischen Vereinigung Linke Opposition erhalten. Ältere Bergarbeiter sagten, die Stadt habe in den letzten zwanzig Jahren keine derartige Initiative mehr erlebt. Die Anführer des Protests sprachen sich offen und mit starken Worten für die Verteilung des Eigentums aus.

Beim Staatsbetrieb Chmelnitzki fand eine Versammlung der Bergleute statt. Auf Initiative des betrieblichen Gewerkschaftsvorsitzenden von Suchaja Balka, Alexander Bondar, wurden zwei Fragen auf die Tagesordnung gesetzt: 1. die soziale und wirtschaftliche Lage im Kriwbass; 2. die Ergreifung von Maßnahmen zur territorialen Verteidigung der Region.

In bezug auf die erste Frage forderten die Bergleute die Verdoppelung der Löhne in den Zechen, die zu Suchaja Balka (Eigentum des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch) und zu den Hüttenwerken von Kriwoj Rog (Eigentum der ukrainischen Millionäre Rinat Achmetow und Igor Kolomoiski) gehören. Die Forderungen wurden erhoben, weil die Rentabilität der Produktion gestiegen ist, gleichzeitig aber die Preise für Lebensmittel und Dienstleistungen gestiegen sind. Die Arbeiter erklärten, sie wollten sich nicht mit einem Hungerlohn zufrieden geben, während sie einen Reichtum schaffen, der in den Händen der Oligarchen landet. Auf der Versammlung wurde ein Brief des Gouverneurs der Region Dnepropetrowsk vorgelesen, der die Unternehmer der Region aufforderte, den Arbeitern einen Bonus von 20% zuzugestehen. Die Bergleute haben jedoch auf ihre Forderung nicht verzichtet.

In bezug auf den zweiten Punkt forderten die Bergleute von den lokalen Behörden, ihnen zu helfen, die Ordnung im Kriwbass zu gewährleisten. Es haben sich einige hundert unter Beteiligung der Bergleute geschaffene Selbstverteidigungsgruppen gebildet, die bereit sind zum Widerstand sowohl gegen prorussische Banden als auch gegen militaristische Strukturen, die von ukrainischen Oligarchen gebildet wurden (wie z.B. die von Achmetow in Mariupol geschaffene «Selbstverteidigung»).

Die Linke Opposition hat Flugblätter verteilt und konnte auch das Wort ergreifen. Witali Dudin zeigte sich überzeugt, dass eine organisierte Mobilisierung der Arbeiterklasse den politischen Manövern der Zentralbehörden wie auch der «Separatisten» ein Ende bereiten kann. Sachar Popowitsch betonte, die internationale linke Bewegung sei bereit, die Bergleuten zu unterstützen. Demnächst würden in Kiew und anderen europäischen Städten Solidaritätsaktionen organisiert.

Auf die Versammlung folgte eine Demonstration. Die Arbeiter, unter denen die junge Generation überwog, skandierten Losungen wie «Verdoppelung der Löhne für die Kriwbass-Bergleute», «Nur wenn die Profite an die Arbeiter gehen, wird das Leben besser werden».

Etwa 200 Arbeiter umzingelten eine Reihe von Gebäuden, darunter die Büros von Suchaja Balka und die Direktion des Hüttenwerks von Kriwoj Rog. Der Vorsitzende der unabhängigen Bergarbeitergewerkschaft, Juri Samoilow, erklärte: «Wenn die Unternehmer keinen Weg finden, die Löhne zu erhöhen, muss der Betrieb verstaatlicht werden und unter die direkte Kontrolle der Beschäftigten kommen. Wenn unsere Forderungen nicht erfüllt werden, werden wir am 24.Mai erneut auf die Straße gehen.»

Die Aktivisten der Linken Opposition sehen in den Bergleuten die einzige organisierte Kraft, die in der Lage ist, die Ordnung in der Region zu sichern. Sie schaffen mit ihren Aktionen bei den anderen Arbeitern Vertrauen in die Möglichkeit, bewusst gegen die Diktatur des Kapitals zu agieren, ohne sich in das Spiel der Oligarchen oder der Nationalisten hineinziehen zu lassen.

Quelle: www.gaslo.info, Webseite der Linken Opposition.


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