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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Karim Miskè: Entfliehen kannst du nie

Köln: Bastei Lübbe, 2014. 335 S., 8,99 Euro

von Udo Bonn

Seit Jahren lebt Ahmed Taroundant zurückgezogen in seiner mit Büchern vollgestopften Bude im Pariser Viertel La Villette. Er hat Schreckliches erlebt und taucht jetzt nur noch beim befreundeten Antiquar Monsieur Paul auf, um sich mit neuen Krimis zu versorgen. Da kommt der Tod in das Haus. Seine Nachbarin Laura, zu der er sich merkwürdig hingezogen fühlt, ist ermordet worden und die Zeichen in der Wohnung deuten auf eine rituelle Tat hin. Ahmed zieht sich zurück und schläft, besser als in den letzten Jahren.
Deshalb bekommt er es erst recht spät mit den beiden jungen Polizisten Rachel Kupferstein und Jean Hamelot zu tun, die auf den Fall angesetzt worden sind. Beiden ist recht schnell klar, dass Ahmed nicht der Mörder sein kann, er ist keiner, der Menschen töten könnte. Und auch er will sich beteiligen, das Verbrechen aufzuklären.

Irgendwie scheinen Aktivitäten in der Nachbarschaft mit Lauras Tod zusammenzuhängen. Einige junge Kerls sind verdächtig, früher eine wilde Rap-Gruppe, jetzt in Sachen salafistischer und chassidischer Strenge unterwegs. Aus Sängern wurden Prediger, und nur deren Schwestern, die die Typen früher anhimmelten, erhalten sich einen klaren Kopf. Aicha und Bintou scheinen auch zu wissen, was es mit dem Verschwinden von Rebecca auf sich hat.

Für die Polizisten tut sich noch ein Verdächtigtenkreis auf: Laura stammt aus einer tiefreligiösen Familie von Zeugen Jehovas, vor der sie allem Anschein nach geflohen war. Musste sie deshalb sterben? Aber was hat all das mit der neuen Superdroge Godzwill zu tun, deren Europa-Export durch New Yorker chassidische Kreise vorbereitet wird?

Karim Miskè hat mit seinem Debutroman Entfliehen kann du nie einen tollen Krimi geschrieben, der an vielen Stellen an Fred Vargas’ Romanfiguren erinnert, er legt dabei allerdings ein höheres Tempo vor. Das Tempo und seine Milieuschilderungen tun seinem Buch gut und zeigen, dass es Neues zu erzählen gibt. Sehr zu empfehlen, auch dank der schönen Übersetzung von Ulrike Werner.


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