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Glenn Greenwald: Globale Überwachung

Der Fall Snowden, die amerikanischen Geheimdienste und die Folgen. München: Droemer, 2014. 368 S., 19,99 Euro

 von Rolf Euler

Wer John Le Carré kennt, weiß, wieviel umgearbeitete Wirklichkeit hinter seinen oft spannenden Spionageromanen stecken. Aber das Buch, das der Anwalt und Journalist Glenn Greenwald über seine Zusammenarbeit mit Edward Snowden geschrieben hat, beschreibt die wahre Geschichte hinter der sogenannten „Affäre» der NSA – spannend und sicher so gut geschrieben wie ein Roman von John Le Carré.

«Reality bites!» – die Wirklichkeit «beißt», will sagen: Was wirklich geschieht tut auch wirklich weh. Und das beschreibt Glenn Greenwald in seinem Buch «Die globale Überwachung» präzise und deutlich. Von der – fast verpatzten – Kontaktaufnahme Snowdens zu ihm und der Filmemacherin Laura Poitras berichtet er genauso wie von dem Treffen in Hongkong, wohin Snowden geflüchtet war, nachdem er die Dokumente der NSA verschlüsselt an Poitras und später Greenwald übermittelt hatte. Schon dieser Teil spannt die Leser in das Netzwerk aus Überwachung und Vorsichtsmaßnahmen, die Snowden sehr gekonnt ergriff, um seine Enthüllungsabsichten nicht vorzeitig zu gefährden.

Das dritte Kapitel erläutert einen Teil der Dokumente, die Greenwald im Namen Snowdens veröffentlichen konnte. Hier wird das Ausmaß der Überwachung durch die NSA mit – zum Teil auf deren Veranlassung geschwärzten – Abbildungen deutlich. Greenwald, der sich schon seit Jahren mit Enthüllungen aus dem Geheimbereich der amerikanischen Regierung beschäftigt, merkt immer stärker, dass mit Snowden ein ehrlicher und empörter Whistleblower aus Gerechtigkeitsempfinden alles hinter sich lässt und schwere Strafen auf sich nimmt, um die Welt über die geheimen Aktivitäten der NSA aufzuklären, und er beschließt, ihm die Möglichkeiten der Presse zur Verfügung zu stellen, insbesondere The Guardian.

Greenwald schildert die Gefahren für die Demokratie, für die Entfaltung der freien Persönlichkeit unter dem Dunstmantel ständiger und umfassender Überwachung. Er betont die brutale Unterdrückung von Veröffentlichungen durch den britischen Geheimdienst, der die Festplatten des Guardian zerstören und seinen Lebenspartner auf dem Flughafen London unter dem Vorwand der Unterstützung des Terrorismus festnehmen ließ.

Und er schildert die Servilität der großen Presseorgane in den USA und England gegenüber den Machenschaften der Regierungen und Geheimdienste. Die Aufgabe des Journalisten, gesetzwidrige Aktivitäten der Regierung aufzudecken, soll mit der Drohung, man sei Unterstützer ausländischer Geheimdienste oder Terroristen, unmöglich gemacht werden.

Ein Buch, das noch einmal die Geschichte Snowdens und seine mutige Entscheidung ins richtige Licht rückt und ein mulmiges Gefühl hinterlässt, was noch alles auf uns – auch in Europa – zukommen wird.

 

Ebenfalls zu nennen wären: Marcel Rosenbach, Holger Stark: Der NSA-Komplex. München 2014 (hier wird zusätzlich die deutsche Seite der Sache umfassend beleuchtet).

Luke Harding: Edward Snowden. Geschichte einer Weltaffäre. Berlin 2014.


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