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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Ross Thomas: Am Rand der Welt

Berlin: Alexander-Verlag, 2010. 406 S., 14,90 Euro

von Udo Bonn

Wer erinnert sich noch an Imelda Marcos und ihren Gatten Ferdinand? Sie, die ständig aufgebrezelte Präsidentengattin mit weltberüchtigtem Schuhtick, und er mit seiner Schmierlappenfresse. Für George Bush war dieses Schurkenpärchen noch Garant für einen demokratischen Prozess auf den Philippinen, bis ein breites gesellschaftliches – aber instabiles – Bündnis die Marcosbande von der Macht entfernte.Wenn auch weniger brutal, gerechter geht es seitdem nicht zu, die Familienclans der Aquinos und Arroyos haben neben ihrer alten wirtschaftlichen Macht heute den nahezu ungehinderten Zugang zur politischen Macht. 1986 schien das noch anders, hoffnungsvoller zu sein, eine starke linke Volksbewegung mit einem militärischen Arm und unter Führung der illegalen KP spielte eine gewichtige Rolle bei der Vertreibung der Marcos.

Hier setzt der geniale Roman Am Rand der Welt von Ross Thomas an. Booth Sterling, ein amerikanischer Terrorismusexperte, wird ansatzlos von seinen Auftraggebern gefeuert. Am gleichen Abend erhält er allerdings schon ein neues Arbeitsangebot: Ob es ihn interessieren würde, einem Anführer der kommunistischen Guerilla 5 Millionen US-Dollar zu überbringen, damit sich dieser in das Exil nach Hongkong verdrücken könne? Überbringerlohn: eine Million Dollar. Sterling kennt Alejandro Espiritu vom gemeinsamen Kampf gegen die japanischen Invasoren im Zweiten Weltkrieg und weiß, was für ein harter Kerl der schon als junger Mann gewesen ist. Und er zweifelt an den rechtschaffenen Absichten seiner Auftraggeber. Aber er nimmt an und stellt seine Truppe zusammen. Von Washington reist er nach Kalifornien und mit den aus anderen Büchern von Ross Thomas bekannten Typen «Otherguy» Overby, Quincy Durant, der Ex-Agentin Georgia Blue und Artie Wu, der Anspruch auf den chinesischen Kaiserthron erhebt, beschließen sie, alles Geld für sich zu behalten.

Ross Thomas konnte prononciert schreiben wie wenige nach ihm, und mit der Übersetzung von Jürgen Behrens und deren Bearbeitung durch Gisbert Haefs und Anja Franzen hat der Alexander-Verlag einen brillanten Politthriller wieder ausgegraben.


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