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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Marianne Faithfull

Give my love to London (Naive/Lotus Records)

von Dieter Braeg

Marianne Faithfull hat in ihrem Leben viele wichtige Leute, die ihr halfen und helfen, wo sie nur konnten, so gut sie konnten. Mick und Keith, die beiden Rolling Stoners, schrieben ihr einen Nummer-1-Hit. Dann waren es Wirte und Drogendealer, die ihr alles das besorgten, was sie fürs Leben, oder auch nicht, haben wollte. Sie war 17 Jahre alt, als Andrew Loog Oldham, der Rolling-Stones-Manager, sie mit seinen Schützlingen zusammenbrachte. Mit «As tears go by» begann der Erfolg im Hitparaden-Mauschelland. Zwischendurch nahm sie zwei, drei gute und leider sehr viele grausam schlechte Platten auf. Mit Before the poison ist ihr viele Jahre später ein wirklich ausgezeichnetes Album gelungen. Das liegt vor allem daran, dass Faithfull mit – von jeder Menge Zigaretten «veredelt» – gebrochener Stimme ganz wunderbare Songs zu ihren eigenen macht.

22 Alben begleiteten ein Leben, das zeitweise nah am Abgrund stattfand. Faithfulls Stimme muss sich keinen «angesagten» Moden unterordnen. Ihre Stimme kann Blues, Jazz, Folk-Country-Mäßiges und viel mehr, sie wühlt sich durch die schwarzen Farben des Lebens, und nur manchmal ist man an jene junge 1960er-Frau erinnert. Sie hat sich schon lange von diesem Lebensabschnitt entfernt.

Für viele ihrer Songs, die irgendwo zwischen neu erwachender Lebenslust und anhaltender Verstörung angesiedelt sind, fand sie immer wieder die richtigen Texter und Musiker: Nick Cave, Damon Albarn (Blur), Steve Earle, Brian Eno, Roger Waters, Anna Calvi und dazu noch PJ Harvey.

Give my love to London, ihre neueste Platte, ist keine Liebeserklärung an ihre Lebenszeit in dieser Stadt. Faithfull verzeiht der «Heimat» England nicht, wie sie dort behandelt wurde. Sie lebt heute in Paris und Irland, und London bekommt ironische Töne zu spüren. Da ist zwar Frieden gemacht worden, aber die Angriffslust ist geblieben. Doch sie würdigt auch Leonard Cohen – mit einer eigenen Version seines Songs «Going home», da wird klar, diesen Song muss Cohen für Faithfull geschrieben haben. Es sind Songs mit vielfältigem Sound, die von ihrer Stimme leben, weich, ohne Emotionsschrott zu erzeugen. Die Vergangenheit wird nicht verklärt, aber es glänzt doch alles.

Wer Faithfull im Konzert erleben will, der hat dazu am 15.11.2014 in München oder am 16.11.2014 in Wien Gelegenheit.


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