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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 12/2014 |

Ein Spiel mit dem Feuer. Die Ukraine, Russland und der Westen

Hrsg. Peter Strutynski. Köln: PapyRossa, 2014. 216 S., 13,30 Euro

von Hermann Dworczak

Das Buch bietet interessante Einblicke und Informationen, lässt jedoch wichtige Bereiche wie die Herrschaft der Oligarchen ziemlich unbeleuchtet. Pikanterweise kommt in dem von einem Linken geschriebenen Buch die sicher kleine ukrainische Linke kaum vor.Die Meriten des Buches liegen v.a. darin detailliert zu zeigen, was die westlichen Interessen an der Ukraine sind; wie an allen Ecken und Enden schamlos interveniert wird; wie der Vormarsch der NATO nach der Wende 1989 über die Bühne ging; was eine Assoziierung der ökonomisch wackeligen Ukraine an die EU bedeutet. Und diese imperialistische Expansion in den Osten wird begleitet von einem gigantischen manipulativen Medienapparat.

Einseitige geopolitische Betrachtungsweise

Leider hat sich’s damit auch schon weitgehend. Der Herausgeber, der bekannte deutsche Friedensaktivist Peter Strutynski, sagt selbst, was die Crux des Buches ist: «die landes- oder kulturgeschichtlichen Aspekte mögen vielleicht zu kurz kommen». Und so suggerieren etliche Autoren, dass der «Maidan» vor allem eine ausländische Sache war – wenn nicht gar ein «Staatsstreich» oder ein «faschistischer Putsch» – sehr ähnlich den bürgerlichen Ideologien, die keine Verständnis für interne gesellschaftliche Prozesse aufbringen.

Ausgewogen hingegen zeigt der Beitrag von Kai Ehlers, wie der Maidan tatsächlich entstanden ist, schließlich «politisch enteignet» wurde und es zur Bildung einer rechten, neoliberalen Regierung, durchsetzt mit rechtsextremen Elementen, kam. Fundiert und differenziert ist auch das Kapitel von Norman Paech, «Wem gehört die Krim? Die Krimkrise und das Völkerrecht».

Es herrscht in dem Buch eine einseitige geopolitische Betrachtungsweise vor. Diese führt auch dazu, daß das Putin-Regime keiner harschen Kritik unterzogen wird: «Vergessen» werden die Morde, der Krieg in Tschetschenien, die zahllosen Einschränkungen demokratischer Freiheiten, die Wahlfälschungen etc. Eine Art Revival der «Lagertheorie»: Weil es völlig richtig ist, gegen NATO & Co zu sein, «muss» man mit Putin sein, der oft so behandelt wird, als ginge es noch um die Sowjetunion und nicht um einen autoritäten, kapitalistischen Staat mit neoimperialen Aspirationen.

Die «Lösung» des Ukraine-Konflikts wird vor allem auf der «oberen Ebene» anvisiert: Verhandlungen, Sicherheitsgarantien, Neutralitätsstatus der Ukraine, Föderalisierung usw. So wie über die in der Ukraine sehr wohl existierenden Bewegungen, Gewerkschaften und die Linke (im Westen wie im Osten des Landes) kaum etwas zu erfahren ist, wird nichts über Alternativen «von unten» gesagt. Gerade die wären jedoch jetzt mehr denn je anzuschneiden: Nach den diversen Wahlen droht ein «Deal» zwischen Obama, Merkel, Putin und den Oligarchen der West- und Ostukraine – mit den entsprechenden «Spar»programmen für die Bevölkerung.

Alles in allem: Man sollte das Buch lesen, aber sich dessen bewusst sein, was in ihm ausgespart bleibt.


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