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Friedhelm Hengsbach: Teilen, nicht töten

Frankfurt a.M.: Westend, 2014. 128 S., 12 Euro

von Rolf Euler

Unter diesem provokanten Titel hat Friedhelm Hengsbach, der bekannte katholische Sozialethiker, eine kleine Streitschrift gegen den modernen Kapitalismus veröffentlicht. Gegenüber Stéphane Hessels «Empört euch!» kommt seine Analyse der Umstände, unter denen «diese Wirtschaft tötet!» – wie er zustimmend und titelgebend den Papst zitiert – eher in gemäßigtem Ton daher. In der Sache aber klar und unnachgiebig: Die Kritik an den Auswirkungen staatlicher Umverteilung, kapitalistischer Globalisierung, wirtschaftlicher Macht und exzessiven Reichtums ist Hengsbachs Sache, auch ohne dass ein Papstwort kommen musste.

Seine Ethik speist sich eindeutig aus christlichen und humanistischen Quellen, seine aktuellen Quellen sind dann allerdings die Reden des Papstes Franziskus und das Buch von Thomas Piketty. Seine Befürchtung: Wir befinden uns im «Vorkrieg» – einer von sozialer Ungleichheit, dem Festhalten der Eliten an ihren Macht- und Einkommenspositionen und unverändertem Expansionsdrang geprägten Zeit, die zu einem heißen werden könnte.

Hengsbach breitet das Panorama der sozialen Ungleichheit aus und erläutert seinen Ansatz des «Teilens» als Gegenposition gegen die Marktlogik, die Mythen des Wachstums und des freien Marktes, gegen die planmäßige Verarmung der öffentlichen und Sozialkassen. Seine Vorstellungen von einer gerechten und solidarischen Ordnung könnten breite Zustimmung finden.

Seine Forderung, Macht, Vermögen, staatliche Maßnahmen, öffentliche Güter zugunsten der Armen und Ausgegrenzten und der Flüchtlinge zu teilen und demokratische Entscheidungen in ihrem Sinne zu treffen, ihnen Mitwirkung und Entscheidungen zu ermöglichen, mag utopisch klingen – sein Büchlein zeigt aber erneut die Dringlichkeit, eine andere gesellschaftliche Entwicklung weg vom zerstörerischen und tötenden Kapitalismus zu betreiben.


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