Oliver Bottini: Ein paar Tage Licht


Quelle: SoZ – Sozialistische Zeitung
Website: https://www.sozonline.de
Artikel-Link: https://www.sozonline.de/2015/03/oliver-bottini-ein-paar-tage-licht/
Veröffentlichung: 01. März 2015
Ressorts: Krimi

Köln: Dumont, 2014. 512 S., 19,99 Euro

von Udo Bonn

Anfang Februar gab es mit Begierde – Mord im Zeichen des Zen eine recht gelungene Fernsehadaption des ersten Kriminalromans von Oliver Bottini um die Kriminalkommissarin Louise Boni. Nach vier weiteren Folgen wandte sich Bottini dem Metier Politthriller zu. Den tollen Auftakt machte der Roman Der kalte Traum, für den er 2013 den Deutschen Krimipreis erhielt. Und auch in diesem Jahr gab es eine Zweitplatzierung für Ein paar Tage Licht.

Oktober 2012, ein Manager des deutschen Rüstungsunternehmens Elbe Defence Systems, kommt in Algier an. Er soll im Rahmen eines Joint Venture ein Werk für Spähpanzer in Gang bringen (auf dem Gelände einer stillgelegten Traktorenfabrik – wer würde da als Kölner nicht an die ehemalige KHD AG und den SPD-Politiker Ben Wisch denken?). Gewarnt worden ist er vor al-Qaeda, zu Hause hat er eine reikibegeisterte Ehefrau und Töchter, die seinen Job zum Kotzen finden. Er kommt also in Algier an, wird in ein Gästehaus der Regierung gebracht, spielt dort Tennis mit einem Leibwächter und wird noch am gleichen Abend gewaltsam entführt. Die Spuren deuten auf al-Qaeda im islamischen Maghreb, von algerischer Seite wird alles dafür getan, dass dieses Szenario aufrechterhalten bleibt – trotz vieler Zweifel wegen des unüblichen Verlaufs dieser Entführung. Insbesondere der BKA-Kontaktmann Eley kann der offiziellen Linie nicht folgen und beginnt, eigene Ermittlungen anzustellen, trotz Verbot der algerischen und deutschen Regierungskreise. Wem kann er unter diesen Umständen glauben, außer der Untersuchungsrichterin Amel, die seine heimliche Geliebte ist?

Bottinis Roman erzählt von dem Versuch algerischer Demokraten, einen bewaffneten Aufstand gegen das Militärregime vorzubereiten, vom Trauma der in der französischen Diaspora lebenden Harkis, die den Franzosen während des Befreiungskriegs in irgend einer Form dienten. Und dann erzählt er von den deutschen Waffenexporteuren und ihren Helfershelfern in der Politik, sowie vom Krisenmanagement der Bundesregierung. Und am Ende weiß man viel über die algerischen Verhältnisse, die Verkommenheit unserer Volksvertreter, hat einen spannenden Roman gelesen und möchte unmittelbar einen Antrag zum Gewerkschaftstag der IG Metall verfassen, damit deren Kumpanei mit den Händlern des Todes beendet wird.