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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Das ewige Leben. Österreich 2015

Regie: Wolfgang Murnberger
Drehbuch: Wolf Haas, Josef Hader, Wolfgang Murnberger

von Angela Huemer

Zu Beginn sieht man schöne Nahaufnahmen von Menschen, die das Leben mitunter nicht so sanft behandelte. Ein schmuckloser Raum, ein Wartezimmer. Auf einem Monitor sind Nummern zu sehen. Als er seine Nummer erblickt, steht Brenner, gespielt vom österreichischen Kabarettisten und Schauspieler Josef Hader, auf. Die Mitarbeiterin der Pensionsversicherungsanstalt nimmt seine Daten auf. Er ist nicht versichert, war es in den letzten Jahren auch nicht und es gab auch keine Anstellung. Freiberuflich sei er tätig gewesen und die Einnahmen waren gering, weil «beruflich» war es eine «schlechte Phase», so Brenner.

«Sie sind ein U-Boot,» entgegnet die Amtsdame, obdachlos, ohne Versicherung und ohne Job. «Eine vollinhaltlich gescheiterte Existenz» heißt es trefflich in der Filmsynopse. «Wir müssen Mindestsicherung für Sie beantragen» sagt sie, und schickt ihn in den vierten Stock. Beim Verlassen des Büros sagt Brenner dann beiläufig: «Ich habe ein Haus.» Ein Haus. In Puntigam. Wo er nie wieder hinwollte. Puntigam ist ein nicht so nobler Stadtteil von Graz. Als er dort per Straßenbahn ankommt, regnet es in Strömen, Brenner setzt sich zum Schutz ein Plastiksackerl auf. Das Haus könnte mehrere Plastiksackerl gebrauchen, die Bruchbude hat etliche undichte Stellen und den Strom bezieht Brenner vom gutmütigen Nachbarn.

Kurz nach seiner Ankunft besucht Brenner einen Jugendfreund, Köck, der hat mittlerweile eine Altwarenhandlung beim Grazer Stadion. So gut scheint die nicht zu laufen, trotzdem bietet ihm Brenner eines der wenigen Dinge mit ein bisschen Wert an, die er entbehren kann, eine alte Pistole. Der Köck ruft flugs einen weiteren Jugendfreund an, den Brigadier Aschenbrenner, anders als die beiden hat er Karriere gemacht, er ist der Leiter des Landeskriminalamts. Köck, Brenner und Aschenbrenner waren einmal Schulkameraden an der Polizeiakademie. Den Köck verkörpert Roland Düringer, einer der besten österreichischen Kabarettisten, der Brigadier ist Tobias Moretti, einer der besten Schauspieler, und Josef Hader, der Brenner, ist sowieso der beste Kabarettist Österreichs.

Das ewige Leben ist schon die vierte Verfilmung eines Brenner-Krimis von Wolf-Haas, nach Komm süßer Tod, Silentium und Der Knochenmann. Stets ist der Autor – hitchcockmäßig – kurz im Film zu sehen, und stets verfasst er das Drehbuch gemeinsam mit dem Regisseur Wolfgang Murnberger und Josef Hader. Das ist einer der Gründe, warum die Filme so gut und den Romanen ebenbürtig sind. Wolf Haas ist mit seinen Brenner-Krimis berühmt geworden, er hat eine ganz eigene Sprache dafür entwickelt, die sehr von der gesprochenen österreichischen Mundart beeinflusst ist und sich wunderbar liest.

Der Brenner ist zäh in diesem Film. «Jetzt wär’s echt schön, wenn eine Zeitlang einmal nichts passieren würde,» heißt es in der Synopse, doch schon bald passiert dem Brenner ein Kopfschuss. Vielleicht auch deshalb kommen immer wieder Jugenderinnerungen hoch. Die sind schön realisiert, warme Farben, leicht grobkörniger Film, Sommerstimmung und junge Versionen der Protagonisten, die so in Szene gesetzt sind, dass sie nicht krampfhaft ihren älteren Alter Egos ähneln müssen, das passiert dann eher über die Stimmen, die von den bereits genannten Hader, Düringer und Moretti stammen. Nach und nach erfährt man mehr über Brenners Jugend, seine vier Freunde und ein Mädchen, Fahrten auf leeren Landstraßen, ein Urlaub nach Jugoslawien, ans Meer. Jugoslawien gibt es nicht mehr, meint ganz trocken eine Krankenschwester, als Brenner ihr von seinem Traum erzählt.

Dass es den Brenner noch gibt, erscheint wie ein Wunder angesichts all der Blessuren, die er erleidet, er ist zach. Die Sprache des Films ist durchwegs österreichisch, doch nach wenigem Zuhören ist sie sicherlich auch für all jene verständlich, die damit nicht so vertraut sind. Beliebt ist der Brenner hierzulande allemal, das Kölner Kino war schon mehrmals ausverkauft. Ach ja, ein Hauptdarsteller sei noch erwähnt, die Stadt Graz, eine der schönsten und auf gewisse Weise eine ur-österreichische Stadt.


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