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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 05/2015 |

Fotografie und Film für das 20.Jahrhundert

Ausstellung – Paul Strand*
von Burkhard Maus und Angela Huemer

Das Fotomuseum Winterthur (Schweiz) zeigt als erste europäische Kulturinstitution eine Retrospektive dieses wichtigen amerikanischen Fotografen und Kameramanns.
Der Fotograf und Filmemacher Paul Strand (1890–1976), geboren in New York, wurde durch den Besuch der Ethical Culture School zur Fotografie angeregt. Von seiner Ablehnung, am Ersten Weltkrieg teilzunehmen, über seine Aktivitäten als Sanitäter in der linken Bewegung wies ihn der Weg mit der Kamera zu sozialen und wirtschaftlichen Auseinandersetzungen. Neben dem «stehenden Bild» nutzte Strand auch das «laufende», den Film.
Zeit seines Lebens mischte er sich politisch ein. Die Ästhetik war ein Rahmen für seine Werke, jedoch keine Begrenzung seiner Aussagen. In Winterthur sind sechzig Jahre seines Schaffens zu sehen. Wie sehr ihm die Alltäglichkeit dessen, was das Leben ausmacht, stets ein großes Anliegen war, zeigen auch seine Dokumentarfilme. Seine Themen waren antikommunistische Umtriebe in seiner nordamerikanischen Heimat, Aggressionen gegen Gewerkschaften und die soziale Verelendung. Unvoreingenommenheit und Neugierde bestimmten seine Arbeitsweise.
Viele Anregungen erhielt Strand in Afrika. In den 60er Jahren besuchte er Kenya, den Senegal und Ghana, seine Aufenthalte dort zeugen von seinem Engagement für diese Kultur. Viel früher, schon in Fotoserien über das Stadtleben wie «Wall Street», experimentierte er mit formalen Abstraktionen, die u.a. Künstler wie Edward Hopper beeinflussten. Er zeigt Menschen in riesig wirkenden Straßenzügen.
Neben Fotografien schuf Strand auch Filme: 1921 schuf er einen sog. «City-Film» gemeinsam mit dem Maler Charles Sheeler. «City-Film» oder Stadtfilm deshalb, weil hier die Stadt New York selbst das Thema ist (ähnliche Filme dieses Genres waren Berlin, Symphonie einer Großstadt von Ruttmann oder Joris Ivens’ klassischer Dokumentarfilm Regen). Anfang der 30er Jahre lebte er in Mexiko, wo er einer der Kameramänner von Redes  (Netze), einem Film über Fischer war, der im Auftrag der mexikanischen Regierung entstand. Regisseure waren der Mexikaner Emilio Gómez Muriel und der aus Österreich emigrierte Fred Zinnemann (der Film ist vor allem für seine Filmmusik von Silvestre Revueltas berühmt).
Zurück in den USA war er Teil des Teams des New-Deal-Dokumentarfilms The Plow that broke the Plains über die Auswirkungen unkontrollierter Landwirtschaft (bis heute ein Pflichtfilm für Dokumentarfilm- und Filmstudenten). Ein weiterer Film war der progewerkschaftliche und antifaschistische Film The Native Land von 1942.
Zudem war er Teil des progressiven Filmkollektivs Frontier Film und der Photo League, eine Vereinigung von Fotografen, die durch ihre Kunst soziale und politische Anliegen vorantreiben wollten.
Nach dem Krieg zog Strand 1951 nach Frankreich, wo er 1976 in Orgeval bei Paris starb. In dieser Phase wandte er sich wieder der Fotografie zu, zu seinen wichtigsten Werken zählen Bücher in denen er Gegenden porträtierte: Time (1950), New England (1950), La France de Profil (1952), Outer Hebrides (1962) und Ghana: an African portrait (1976).
Es wäre schön, wenn auch ein deutsches Museum diese große Ausstellung zeigen würde, 2006 waren einige seiner Arbeiten in der Berliner Galerie Berinson gezeigt worden.

Wer es nicht zur aktuellen Ausstellung im Fotomuseum Winterthur schafft, dem sei (neben den oben genannten Büchern) unbedingt das großartige Buch Paul Strand – Master of Modern Photography, herausgegeben vom Philadelphia Museum of Art in Kooperation mit der Fundación MAPHRE (Yale University Press) für 69 sFr empfohlen. www.fotomuseum.ch

* Fotomuseum Winterthur, bis 17.Mai 2015


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