Schließen

Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

Hier können Sie jetzt Spenden

Sie befinden sich hier: Home > 2015 > 05 > James-ellroy-perfidia

Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 05/2015 |

James Ellroy: Perfidia

Berlin: Ullstein, 2015. 951 S., 25 Euro
von Udo Bonn

Nach dem Sex: Bette Davis fordert ihren Liebhaber auf, einen «Japs» umzulegen. Der Liebhaber zögert nicht lange, steigt in seinen Wagen und erschießt einen Japaner. Der Liebhaber ist Sergeant Dudley Smith von der Los Angeles Police. Es ist Dezember 1941, wenige Tage nach Pearl Harbor und alle Menschen japanischer Herkunft sind verdächtig. Internierungen und Beschlagnahmungen werden vorbereitet, FBI-Hoover kommt persönlich vorbei um dabei mitzumischen, wie aus diesen Maßnahmen Profit zu schlagen ist.
Störend ist nur, dass am Tag vor dem japanischen Überfall auf den Pazifikstützpunkt eine japanische Einwandererfamilie umgebracht wurde. Die Tarnung als gemeinschaftlicher Selbstmord wird schnell durch den Forensiker Hideo Ashida aufgedeckt. Trotz dessen beruflicher Brillanz besteht immer die Gefahr, dass auch er suspendiert wird. Einen gewissen Schutz erhält er durch Captain William H. Parker, schwerer Alkoholiker, verzweifelter Katholik, Antikommunist und Anwärter auf den Posten des nächsten Polizeichefs. Im Grunde ist er angewidert von den rassistischen Ausschreitungen seiner Kollegen und deren offensichtlicher Zusammenarbeit mit rechtsextremen Schlägerbanden. Er schaut in die Zukunft, wenn der Krieg vorbei sein wird und aus Verbündeten Feinde werden. Er hat es abgesehen auf eine Gruppe linker Halbintellektueller, Partyvolk mit antirassistischem Gewissen. In diese Gruppe will er jemanden einschleusen und entscheidet sich für Kay Lake, die Freundin eines Polizisten. Aber auch sie funktioniert nicht so, wie er es sich vorgestellt hat.
Auf 951 Seiten entwirft James Ellroy mit diesem Roman ein L.A.-Gesellschaftspanorama, dessen Akteure wie aufgeputscht in den Krieg ziehen wollen und mühsam aufrechterhaltene moralische Kriterien beiseite gefegt werden. Gier nach Drogen, Sex, Bereicherung ist das Motto dieser Tage. Es sind die Tage und Stunden, in denen das Los Angeles von heute vorbereitet wird.


Drucken | Artikellink per Mail | PDF Version

Kommentar zu diesem Artikel hinterlassen

Spenden

Die SoZ steht online kostenlos zur Verfügung. Dahinter stehen dennoch Arbeit und Kosten. Wir bitten daher vor allem unsere regelmäßigen Leserinnen und Leser um eine Spende auf das Konto: Verein für solidarische Perspektiven, Postbank Köln, IBAN: DE07 3701 0050 0006 0395 04, BIC: PBNKDEFF


Schnupperausgabe

Ich möchte die SoZ mal in der Hand halten und bestelle eine kostenlose Probeausgabe oder ein Probeabo.