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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Mauthausen… vom großen Sterben hören

ESC Records
von Dieter Braeg

Verdrängen, Vergessen, Verleugnen. Vom 8.August 1938 bis zum 5.Mai 1945 gab es das KZ Mauthausen bei den gleichnamigen Granitsteinbrüchen, die der Reichsführer-SS, Heinrich Himmler, im März des Jahres 1938 besucht hatte. In diesem KZ der Stufe III in der Nähe von Linz starben mit seinen 49 Nebenlagern mehr als 100000 Menschen durch Gas, Gift, Todesschüsse, Folter, Kälte oder Hunger.
Es ist keine Stille, aus der heraus die Stimme (Frank Hoffmann) zu hören ist: «Mein Name war 81412…». Der unvergessene große Jazzpianist Joe Zawinul (Weather Report) hat hier mit dem Burgschauspieler Frank Hoffman eine Collage aus Textpassagen geschaffen, die den Erinnerungen der KZ-Häftlinge entsprachen. Die CD entstand, nachdem das Werk in Mauthausen als Gedenkkonzert aufgeführt worden war – den Auftrag dazu erteilte die Lagergemeinschaft Mauthausen an Joe Zawinul im Jahre 1998, zum 60.Jahrestag der Eröffnung des KZ.
Es sind 16 Stationen, die mit Samples, Overdubs und Effekten – samt dem von Hoffmann im plakativen Nazistakkato gesprochene Befehlsdeutsch der Lagervorsteher – ein visuelles Hören ermöglichen und das Terrorsystem der Nazis vergegenwärtigen. Zwölf Tagesschichten in den Steinbrüchen, Erschießungen «auf der Flucht», in die Elektrozäune getrieben, Mord, der von der eigenen Lagerkapelle und Orchestergruppen begleitet wurde. Hier praktizierten die Nazis an den Häftlingen «Vernichtung durch Arbeit». Es gab die «Todesstiege»; sie führte über 186 Stufen vom höhergelegenen Lager in den Steinbruch. In diesen Granitsteinbruch wurden die Häftlinge von ihren Bewachern wahllos hinuntergestoßen. Die Täter prägten dafür den Ausdruck «Fallschirmspringerwand». Tausende brachen auf dem Weg ins Lager unter der Last der Steine zusammen und wurden von Bewachern erschossen oder von herunterrollenden Steinen erschlagen.
Die CD dokumentiert ein notwendiges bedrückendes und beklemmendes Gedenkkonzert zur Erinnerung an die Opfer einer Geisteshaltung einer verbrecherischen Ideologie, die schon wieder aus ihren Löchern kriecht. Es sei daran erinnert, dass neben Deutschen auch viele Österreicher in dieser Vernichtungsmaschinerie mitgewirkt haben.
Diese CD lässt ein Verdrängen, Vergessen, Verleugnen nicht zu!


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