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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Dominique Manotti: Abpfiff

Aus dem Französischen von Andrea Stephan. Berlin: Argument, 2015. 230 S., 17 Euro
von Udo Bonn

«Ich habe Fußball immer verabscheut. Diese Brutalität, diese Spieler, die man kauft und verkauft wie Vieh, diese tobenden Massen, diese Leute, die sie manipulieren… ein Sport…» «Fürs Volk, Herr Richter, fürs Volk.» 

Commissaire Daquin hat als ehemaliger Rugbyspieler auch nicht viel für Fußball übrig. Und ist dann doch eingenommen von der berauschenden Atmosphäre beim Erstligisten Lisle-sur-Seine: Der Blick von der Ehrentribüne auf die Fans aus den Pariser Banlieus, wie sie ihren Aufsteigerverein feiern. Die französische Meisterschaft soll her und dann ein europäischer Titel. Daquin ist bei der Drogenfahndung und gerade ist sein Kollege Romero erschossen worden, bei der Kontaktaufnahme mit Nadine Speck, auch sie wird dabei getötet, bei ihr findet man Kokain, sie lebt bei ihrem Bruder, der für die Sicherheit und Ordnung im Stadion von Lisle-sur-Seine zuständig ist. Mord gehört nicht zum Zuständigkeitsbereich von Daquin und seiner Ermittlergruppe, aber könnte Romero in illegale Geschäfte verwickelt gewesen sein?
Während die Mörder schnell festgenommen sind, tut sich die Polizei mit den Hintermännern schwer. Hat der Vereinspräsident Reynaud etwas damit zu tun, Bauunternehmer und Bürgermeister, der seinen kommunistischen Vorgänger aufgrund einer merkwürdigen Affäre blitzartig ablöste und seitdem, gut vernetzt bis in die höchsten Ebenen der Politik und Verwaltung, das Leben der Region bestimmt? Oder steckt ein Banker hinter den Mordaufträgen, der um seine Karriere fürchtet? Oder geht es doch um das große Drogengeschäft, angeführt von den Calikartellen? Und war Nadine Speck mehr als eine junge Frau vom Stadtrand, die sich mit Drogen jeder Art die Tristesse des Lebens aus dem Kopf blies?
Wieder ist mit Abpfiff ein brillanter Roman von Dominique Manotti erschienen, knapp und treffsicher geschrieben, immer vorwärtsstrebend, detailreich ohne sich zu verzetteln, immer auf den Punkt. Und wer dann samstags ins Stadion geht, wird immer daran denken: Profifußball ist ein Drecksgeschäft – und auch die linken Fans sind nur Teil der Fassadenclownerie, die benötigt wird, um das, was dahinter verbrochen wird, zu verdecken.


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