Schließen

Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

Hier können Sie jetzt Spenden

Sie befinden sich hier: Home > 2015 > 06 > Mehr-von-uns-ist-besser-fuer-alle

Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 06/2015 |

Mehr von UNS ist besser für ALLE

Das Pflegepersonal der Charité im Kampf für bessere Arbeits- und Pflegebedingungen
von Korrespondent Berlin

Unter dem Motto «Für bessere Arbeits- und Pflegebedingungen» kämpft das Pflegepersonal der Charité seit 2011 für mehr Personal.
Die Beschäftigten fordern eine Mindestbesetzung auf den Stationen. Auf eine Pflegekraft kommen mindestens zehn, oft noch mehr Patienten. Durch die verkürzte Liegedauer hat sich die Arbeit enorm verdichtet. Nach Recherchen der Sendung «Kontraste» kamen in 2012 in Deutschland 10,3 Patienten auf eine Pflegekraft, ähnlich in Spanien, Polen und Griechenland, in Norwegen dagegen 3,8 und in einigen anderen EU-Staaten etwa 5 Patienten auf eine Pflegekraft. Und die Situation wird sich noch verschärft haben, obwohl die einstige Pflegedirektorin der Charité das Bundesverdienstkreuz erhalten hat.
Die Pflegekräfte klagen auch zunehmend darüber, dass Patienten nach großen Operationen – Transplantationen z.B. – noch am gleichen Tag auf die Station kommen und dort eben intensiv von einer Pflegekraft betreut werden müssen, die zusätzlich nicht fünf, sondern zehn und mehr Patienten betreuen muss. Manche Ärzte wollen eben Geld sparen und gehen sicher davon aus, dass die Pflegekräfte noch Berufsethos besitzen und bis an den Rand ihrer Kräfte gehen, um möglichst eine wenn nicht optimale, so doch ausreichende Versorgung dieser Patienten zu gewährleisten.
Die Pflegekräfte an der Berliner Charité haben dagegen wieder ein Zeichen gesetzt und am 27. und 28.April einen Warnstreik an allen drei Standorten durchgeführt. Höhepunkt war am 28.April eine bunte und lebhafte Demonstration, an der 1500 Beschäftigte teilnahmen. Sie führte vom Campus Virchow zum Leopoldplatz und zur Berliner SPD-Zentrale.
Es gab viele Solidaritätsadressen aus dem In- und Ausland, denn diese Misere betrifft nicht nur die Charité und andere Berliner Krankenhäuser. Doch der «Berliner Abendschau», die am Vortag noch einzelne Interviews mit Beschäftigten gezeigt hatte, war diese doch machtvolle Kundgebung keinen Bericht wert; die «Abendschau» ist eine Sendung des öffentlich-rechtlichen Rundfunk Berlin Brandenburg. Auf eine kritische Anfrage hin schrieb ein Mitarbeiter des RBB: «Die Ärzte (?) und Pflegekräfte haben ihre Streikmotivation, darauf angesprochen, mit der allgemeinen Überlastung und der mangelnden Zeit für den einzelnen Patienten begründet. Selbstverständlich gehört zu einer sachorientierten Berichterstattung auch die Stellungnahme der Gegenseite, in diesem Fall die Geschäftsleitung der Charité und der Gesundheitssenator.»
Vom 20.Mai bis 5.Juni haben die Beschäftigten der Charité die Gelegenheit, in einer Urabstimmung ihre Stimme abzugeben. Denn der Warnstreik hat keine Wirkung gezeigt, obwohl die Problematik seit 2011 bei Tarifgesprächen auf den Tisch kommt. Stimmen 75% zu, wird es einen unbefristeten Streik geben.
Die Bundesregierung plant, im nächsten Jahr die Kliniken besser zu stellen. Im vergangenen Jahr hat die Charité einen Gewinn von 7,6 Millionen Euro «erwirtschaftet» – seit wann arbeitet ein Krankenhaus gewinnorientiert? Ja klar, jetzt wird ja von der «Gesundheitswirtschaft» gesprochen. Da sind also Pflegekräfte und andere Beschäftigte die Arbeiter, die an Patienten etwas erwirtschaften sollen!


Drucken | Artikellink per Mail | PDF Version

Schlagwörter:
Kommentar zu diesem Artikel hinterlassen

Spenden

Die SoZ steht online kostenlos zur Verfügung. Dahinter stehen dennoch Arbeit und Kosten. Wir bitten daher vor allem unsere regelmäßigen Leserinnen und Leser um eine Spende auf das Konto: Verein für solidarische Perspektiven, Postbank Köln, IBAN: DE07 3701 0050 0006 0395 04, BIC: PBNKDEFF


Schnupperausgabe

Ich möchte die SoZ mal in der Hand halten und bestelle eine kostenlose Probeausgabe oder ein Probeabo.