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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 07/2015 |

Die Lernprozesse der MLPD in der Umweltbewegung

Stefan Engel: Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur? Essen: Neuer Weg, 2015
von Thies Gleiss

Als eines der langlebigsten Produkte der linken Organisationsphase in den 70er Jahren wirkt in Deutschland die unbeirrt maostalinistische «Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands» (MLPD).
Fünf Jahre nach ihrer Gründung – vor dem Hintergrund einer massiven internationalen Umweltbewegung und der Erfolge der Partei Die Grünen, die damals ja noch linksreformistisch aufgestellt war – meldete sich die MLPD erstmals mit einem Buch (Autorin Marianne Müller, eigentlich ein Redaktionskollektiv im Auftrag des ZK der MLPD, Noch nicht zu spät. Die Umweltkrise und ihre Folgen) zur ökologischen Krise zu Wort. Dort wurde die Umweltbewegung als «kleinbürgerlich» abgekanzelt und die Umweltpolitik in der Sowjetunion bis zum Tod Stalins und in China bis zum Tod Maos gepriesen. Der Tenor war klar und simpel: «Die Umweltkrise ist keine Gesetzmäßigkeit des Kapitalismus. Sie kann und muss sogar noch im Kapitalismus überwunden werden.» Und, na klar: «Im Sozialismus werden die Menschen die Herren der Natur.»
Fast dreißig Jahre später, 2014, veröffentlicht der Vorsitzende und Chefideologe der MLPD, Stefan Engel, ein neues Werk: Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur? Darin wird die ökologische Krise als «neuer hauptsächlicher Widerspruch im imperialistischen Weltsystem» analysiert. Die Menschen werden nicht mehr die «Herren der Natur» sein müssen, sondern sich auf höherer Ebene zur Einheit mit der Natur im Sozialismus versammeln. Der Rest ist gleichgeblieben: Alle anderen Akteure in der Umweltbewegung sind kleinbürgerlich; die proletarische Denkweise müsse sich überall durchsetzen und Stalin und Mao sind – jetzt mit kleinen Ausnahmen bezüglich ihrer Schwäche gegenüber «gigantomanischen Abweichlern» in ihrem Umfeld – immer noch die größten sozialistischen Ökologen.
Uns gefällt der langsame Lernprozess der MLPD. Aber unsere Zweifel an ihren theoretischen Konstrukten bleiben. 7 Milliarden Menschen auf der Welt sind immer, auch im Sozialismus, eine Riesenbelastung für das Ökosystem. Man braucht kein Anhänger der Entropiegesetze zu sein, um zu wissen, dass dies keine «Einheit» mit der Natur hervorbringen wird. Wir sind deshalb höchstens zweifelnd überzeugt, dass eine sozialistische, demokratische Planwirtschaft immer noch am besten mit dieser Belastung durch die Spezies Mensch wird umgehen können.
Auch wir sind davon überzeugt, dass ein Aufschwung von proletarischem Klassenbewusstsein die Voraussetzung für neue antikapitalistische Klassenkämpfe sein wird und dass dieser Aufschwung nicht ohne ein Bewusstsein der ökologischen Zusammenhänge und der Umweltkrise zustandekommen wird. Aber den Durchmarsch der proletarischen Denkweise mit der Gründung einer «Umweltgewerkschaft» zu organisieren, erscheint uns dann doch eher theoretisch gewollt und praktisch ein Affront gegen die reale Umweltbewegung zu sein.


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