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Doug Seegers: Going down to the river

Lionheart Music Group/Universal
von Dieter Braeg

Die schwedische Sängerin Jill Johnson war zusammen mit einem Filmteam in Nashville unterwegs. Plan war, Eindrücke aus der Country-Welthauptstadt zu sammeln. Das Team traf auf einen älteren Mann, der in ziemlich abgenutzter Kleidung auf einer schleißigen Gitarre einen Song spielte. Alte Sünden und trotzige Hoffnung kamen da rüber zum Ohr. Der Gitarrenkoffer war geöffnet und auf einem kleinen Schild war zu lesen: «Arbeitslos, alles hilft.» Also half das schwedische Team und filmte einen Song dieses Straßenmusikers. Als dieser Film in Schweden ausgestrahlt wurde, gab es begeisterte Reaktionen: «Der Song trifft mitten ins Herz.» «Was für eine Stimme!» und: «Wer ist dieser Mann?» Schweden verliebte sich in den unbekannten Straßenmusiker.
Doug Seegers war in den 70er Jahren von New York nach Nashville gezogen. Er träumte davon, dort gemeinsam mit den Country-Größen Gram Parsons und Emmylou Harris Musik zu machen. Daraus wurde nichts und Seegers Freund wurde der Alkohol; so landete er auf der Straße, lebte unter den Brücken Nashvilles als Obdachloser, und die Einnahmen aus der Straßenmusik reichten kaum, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Nashville, die Stadt voller Talente, alle wild darauf, Karriere zu machen – das hätte bis zum Tod von Doug Seegers für nicht mehr als ein namenloses Armengrab gereicht. Als in Schweden dann Dougs Song «Goin down to the river» zu hören war, war der Titel bald Spitzenreiter in den schwedischen Charts. Auf YouTube kann man ihn hören. Gitarre grandios, Stimme unvergleichlich passend!
Doug Seegers Traum wurde wahr. Beste Studiomusiker und erstklassige Produzenten begannen, ein Album mit diesem Mann zu produzieren, und als sich abzeichnete, wie gut das Album werden würde, holte man Emmylou Harris ins Studio. Sie singt bei der herzzerreißenden Ballade «She» die zweite Stimme. So erfüllte sich dann doch noch sein Traum, den er hatte, als er von New York weggezogen war. In der Zwischenzeit hat man auch in den USA das Album entdeckt und plant gemeinsame Konzerte zum Beispiel mit Neil Young, und da dürfte Doug Seegers wohl mehr glänzen als der ausgelutschte Young.
Das Album ist von einer Klarheit und Frische, die man einem 62 Jahre alten Musiker eigentlich nicht zutraut. Hier mischt sich Altersweisheit mit dem Glück eines Neueinstiegs. Die Zeiten, in denen Doug Seegers unter Brücken in Armut lebte, empfindet man in seiner Musik genauso wie das späte Glück, zum Country-Star geworden zu sein. Dabei ist kein Ton Hochmut oder Überheblichkeit zu hören und zu spüren.


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