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Krimi: Merle Kröger: Havarie

Berlin: Argument, 2015. 228 S., 15 Euro
von Udo Bonn
Zwei Nächte, ein Tag. Lalita Masarangi, Ghurka im Dienst ihres Vaters, Sicherheitskraft auf dem Kreuzfahrtsschiff Spirit of Europe, sucht ihren Liebhaber. Ihr Chef, Sicherheitsoffizier Nikhil Metha wartet auf das Ergebnis seines Prozesses in Indien. Léon Moret liebt die Nacht auf der Kommandobrücke des Schiffes und sehnt sich nach seiner Frau. Sybille Malinowsky und Seamus Clark sind Passagiere und tragen ihre Traumata mit sich herum. Marwan Fakhouri, Flüchtling aus dem syrischen Bürgerkrieg und schwer erkrankt, ist als blinder Passagier aufgeflogen. Im Mittelmeer, nicht weit von der spanischen Küste, treffen sie auf ein manövrierunfähiges Schlauchboot mit Flüchtlingen. Ein letztes Mal wollte Karim Yacine die Überfahrt machen und dann seine Frau in Frankreich treffen. Und Diego Martínez von der Seenotrettung ist schon unterwegs, um die Hilflosen zu retten. Viele Namen, viele Lebensgeschichten: die letzte Fahrt der Gustloff, die antijapanische Guerilla auf den Philippinen, der nordirische Bürgerkrieg, Pogrome gegen Muslime im indischen Gujarat, Umweltzerstörung der Küstenregionen und der Brand im Gewerkschaftshaus von Odessa; Oleksi Lewtschenko, ukrainischer Bordingenieur auf dem Frachter Siobhan wird in den Krieg befohlen.
Meisterlich hat Merle Kröger in ihrem mit 228 Seiten doch knappen Roman Havarie die Hoffnungen der Menschen und deren Zerstörungen durch Menschen erzählt, wie es zur Zeit kaum ein anderer Schriftsteller vermag. Und es sind nicht nur Einzelschicksale, die sie entwirft, wenn sie über die entwürdigenden Arbeitsbedingungen auf dem Kreuzfahrtschiff, die umfassende Videoüberwachung an Bord, den Entzug der Lebensgrundlage der ansässigen Fischer durch industrielle Projekte, über nationalistische und religiöse Hetze schreibt.


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