Computer«spiele»-Messe Gamescom


Quelle: SoZ – Sozialistische Zeitung
Website: https://www.sozonline.de
Artikel-Link: https://www.sozonline.de/2015/09/computerspiele-messe-gamescom/
Veröffentlichung: 01. September 2015
Ressorts: Gesellschaft, Globalisierung/Krieg

Kriegsspiele und die Erinnerung an den wirklichen Krieg
von Rolf Euler

Anfang August sind die Erinnerungstage an die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. Ende August und Anfang September erinnern wir an den Beginn der Weltkriege – Antikriegstage allesamt. Nicht so in Köln, wenn die Computerspielmesse brummt.

Vom 5. bis 9.August kamen fast 350.000 Menschen zu dieser Messe, drängten sich in den Hallen und wollten «spielen». Viele neue Kampfspiele wurden vorgestellt. Alle Spielplätze an den Bildschirmen waren ständig umlagert.
«Next Level of Entertainment» war das Motto – also Unterhaltung am Schießstand. Es gab Gelegenheiten zum Probespielen bei E-Sport, plastischen 3D-Darstellungen, Spiele-Demos mit Virtual-Reality-Headsets. Sicher auch wieder Autorennen, Flugzeugsimulationen, Tempo und Scheinwelten. Bei einem der düsteren Rollenspiele wurde angekündigt, dass Spieler «tausend Bildschirmtode überstehen» dürfen.
In einem anderen Spiel namens «Arena of Fate», in dem Märchenfiguren erscheinen, wird eine Spielfigur («Rotkäppchen») so beschrieben:
“Little Red Riding Hood
Origin: French Fairytale
Strengths: Deadly at close range
Famous for: Misidentifying grandma
Dislikes: Fenrir, Fake grandmas
Don’t mistake Little Red Riding Hood for an innocent girl making her way back to grandma’s house. This fairytale fighter loves to get in the thick of the action and wields a sword that can cut even the biggest, baddest wolf down to size. Her brutal spinning slashes and charges are designed to hit multiple enemies at once, and her mastery of fire makes her too hot to handle for many a foe.”
Ein Weltraumkriegsspiel wird angekündigt als «Seeschlacht im Weltraum», mit dem den Anhängern der «Star-Wars»-Serien oder «Battleship Galactica» zu neuen «Siegen» oder Niederlagen verholfen werden soll – natürlich nur virtuell.
In der Ankündigung heißt es etwa, dass «die Spielbalance bei diesem launig zu spielenden Mehrspieler-Shooter gewahrt bleibt … Als Schauplatz des Spiels dient nicht nur der freie Raum; einige Szenarien versetzen die Kämpfenden in den Luftraum über schön gestalteten Planetenlandschaften. Die vielen Anpassungen und abwechslungsreichen Waffensysteme laden zum Ausprobieren ein.»
Mir fehlt nach wie vor das Verständnis für stundenlanges «Spielen» dieser Art an Bildschirmen, gegen «Gegner», die per Internet zugeschaltet sind, deren Gesichter oder Gestalten auf den Schirmen eher Fratzen und Monster sind, und wo tausend Tode nichts als «Sorry, du musst wieder von vorn anfangen» heißt.
Wer fängt nach den wirklichen Kriegen wieder von vorn an? Flüchtlinge weltweit und in unseren Städten sind die realen Folgen.