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Filmtipp: The Yes Men

The Yes Men – Jetzt wird’s persönlich, USA 2015, Regie: Laura Nix
von Angela Huemer

Im UN-Hauptquartier in New York steht wieder mal eine Klimakonferenz an. Gegenüber, auf der anderen Seite des Hudson River, stehen oder besser schwimmen zahlreiche beige Bälle im Wasser, es sind die Überlebensbälle, genannt die Survivaballs, überdimensionale aufblasbare Kugeln, in denen sich einzelne Menschen vor dem Klimawandel retten können, darin ist alles enthalten, was man so braucht.
In New York stellen Andy und Mike, zwei sympathische Männer in Anzügen, diese Survivaballs vor, während die Leute, die sich in diesen Balls geschützt haben, zum Lied «I will survive» fröhlich wippen. Natürlich gibt es in Wahrheit keine Überlebensbälle, die Aktion war eine von vielen der «Yes Men», ein Netzwerk von Aktivisten, gegründet vor mehr als 15 Jahren von Andy und Mike, alias Jacques Servino und Igor Vamos.
Ich selbst sah den Film, ohne je von den Yes Men gehört zu haben. Neben der oben erwähnten Aktion mit den Survivaballs (die im Film noch mehrfach vorkommen werden), konzentrieren wir uns mit den beiden auf Probleme des Klimawandels und wohnen unglaublichen Aktionen der Yes Men bei.
Doch diesmal wollten die Macher – neben den beiden Yes Men die Regisseurin Laura Nix, die einen der beiden, Igor Vamos, seit der Uni kennt, also seit sie 18 Jahre alt waren, und die Aktivitäten der beiden schon sehr lange verfolgt – auch von ihrem persönlichen Leben etwas preisgeben.
Denn da kommt schon mal Frust auf, wenn man das Gefühl hat, dass auch der ausgeklügelste Aktivismus nicht wirklich was ändert, und mitunter hat auch das Privatleben Vorrang, besonders, als Igor zum dritten Mal Vater wird.
Wir erfahren auch, dass die Eltern von beiden – Igor wuchs im Staat New York auf, Jacques in Arizona – Holocaust-Überlebende sind, sicherlich sehr prägend für beide und etwas, worüber man gerne noch mehr erfahren hätte im Film.
Auffallend ist die Liste der vielen Co-Produzenten, auch internationale, aus dem Bereich Independent Film, Dokumentarfilm und Komödie.
Der Film lief bereits auf wichtigen Festivals und wurde nun zum deutschen Filmstart am 20.August sogar von den ZDF-Nachrichten angekündigt.
So ernst die Dinge auch sind, um die es im Film geht, selten habe ich so oft herzlich gelacht in einem Film und oft auch ein wenig das Gefühl gehabt, man kann doch etwas erreichen, wenn man möchte.
Die beiden Yes Men sind einfach Meister darin, Leute, die sonst nie mit Aktivisten oder anderen Ansichten in Berührung kommen würden, mit komplett anderen Weltsichten zu konfrontieren und mitunter sogar tief zu berühren (das passiert gegen Ende des Films, dazu will ich aber nicht mehr verraten).
Fast geht der Film zu schnell vorbei. Wie gut, dass man dann, zuhause angekommen, die ersten beiden Filme, die es bereits über die Yes Men gibt, Yes Men von 2003 und The Yes Men fix the World («Die Yes Men regeln alles»), auf Youtube anschauen kann.
In einer ganz frühen Aktion haben die beiden Barbie- bzw. GI-Joe-Puppen die jeweils «falsche» Stimme eingepflanzt: Der martialisch daher kommende GI Joe hatte nun also eine sanfte Stimme und sagte unerwartete Dinge.
Genauso, erklärt Mike alias Igor im ersten Yes-Men-Film, wollen sie Organisationen, die ihrer Ansicht nach Verkehrtes tun, eine andere Botschaft unterjubeln, sie wollen deren Identität korrigieren. Ihr Ziel ist es, so Mike – im realen Leben Kunstprofessor –, auf poetische Weise grundlegende Probleme unserer Kultur und Gesellschaft zu enthüllen.


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