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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Krimi: Wu Ming: 54

(Übers.: Klaus-Peter Arnold.) Berlin: Assoziation A, 2015. 526 S.,
24,80 Euro
von Udo Bonn

Bevor Cary Grant in Alfred Hitchcock seinen Mentor gefunden hatte und mit ihm zum Star Hollywoods wurde, lebte er in armen Verhältnissen in England und verdiente sich seinen knappen Lebensunterhalt als Artist und Komödiant.
Auf seine Herkunft angesprochen, versuchen britische Geheimdienstleute ihn für eine pikante, patriotische Mission zu gewinnen: Er soll Tito treffen, der seine Schauspielkunst und seine lässige Eleganz bewundert. Und vielleicht gibt es dann noch ein Filmprojekt über die jugoslawischen Partisanen im Zweiten Weltkrieg. Es ist 1954, Stalin ist tot, der Bund der Kommunisten könnte sich wieder der Sowjetunion annähern. Und das gilt es zu verhindern.
Dem überaus köstlichen Roman 54 des Autorenkollektivs Wu Ming, deren im ausgehenden Mittelalter handelndes Buch Q (damals nannte sich das Kollektiv Luther Blisset) als historischer Thriller über die Bauernkriege für bildendes Lesevergnügen gesorgt hatte, gelingt es wieder, Geschichte in Geschichten zurückzuholen.
1954: Die Bar Aurora in Bologna – Treffpunkt alter Partisanen, KP-Mitglieder, denen es schwer fällt, die Welt zu verstehen: Ist Tito nun ein Faschist oder nicht? Werden die versteckten Waffen noch einmal gebraucht? Gehört dem Fernsehen die Zukunft und kann solch ein Gerät kollektiv angeschafft werden? Die jungen Genossen gehen derweil Filuzzi tanzen und Robespierre ist ihr Held. Robespierre liebt Angela, ein wichtiges Mitglied der KP Bolognas hat sie aus der Armut geheiratet, zu abhängig von ihm kann sie sich nicht für ihren Liebhaber entscheiden.
Robespierre vermisst seinen Vater. Der kämpfte an Titos Seite, solidarisierte sich mit innerparteilichen Dissidenten, kann nicht zurück nach Italien und steht in Jugoslawien auf der Abschussliste. Robespierre nimmt Kontakt zu Schmugglern auf und beginnt eine abenteuerliche Reise auf der Suche nach seinem Vater.
1954: In Neapel ist der Mafia-Boss Lucky Luciano hängen geblieben, fern seiner Heimat USA organisiert er seine Geschäfte neu. Doch hinter seinem Rücken betreibt sein engster Mitarbeiter, der von einem anderen Mafiaclan ausgeliehene Steve Cemento, seine eigene Zukunft: Mit abgezweigtem Heroin will der Killer sich den Lebensabend sichern, fern von Europa und Amerika.
1954: Ein aus dem US-amerikanischen Hauptquartier in Neapel geklauter Fernsehapparat ist vom Süden auf dem Weg in den Norden Italiens und verbindet Schmuggler, Kleinkriminelle, Gangster, Kommunisten, Fussballfans.
Ein Dank an den Verlag Assoziation A für dieses Buch (in Erwartung weiterer Veröffentlichungen des Wu-Ming-Projekts).


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