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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 12/2015 |

Karlheinz Deschner: Abermals krähte der Hahn

Christentumskritik wieder aufgelegt
von Manuel Kellner

Karlheinz Deschner: Abermals krähte der Hahn. Eine Demaskierung des Christentums von den Evangelisten bis zu den Faschisten. Aschaffenburg: Alibri, 2015. 1019 S., 44 Euro

Im Jahr 1962 erschien die «kritische Kirchengeschichte von den Anfängen bis zu Pius XII.» zum ersten Mal und begründete das hohe Ansehen des bekannten Kirchenkritikers Karlheinz Deschner (1924–2014) (siehe SoZ 6/2014). Dem folgten zahlreiche weitere Bücher und andere Veröffentlichungen des Autors zum selben Thema, bis hin zu seiner monumentalen vielbändigen Kriminalgeschichte des Christentums.
Jetzt ist eine durchgesehene Neuauflage des Buchs von 1962 erschienen. Sie ist desto willkommener, als dieses Buch am Beispiel der christlichen Amtskirchen, ihrer Taten und ihrer ideologischen Positionen detailliert aufzeigt, dass Religion Menschenwerk ist – und wie unmenschlich die Taten der Männer sind, die vorgeben, im Namen Gottes zu sprechen und zu handeln.Deschner wusste von den menschlichen Bedürfnissen, die religiöse Vorstellungen hervorbringen, doch seine Aufgabe sah er in der schonungslosen Kritik der kirchlichen Hierarchien.
Zu Anfang seines ersten großen Werks erklärt Deschner, warum er die Geschichtlichkeit der Person des Jesus Christus voraussetzt, also eines Menschen, der in der folgenden Überlieferung überhöht und vergöttlicht wurde. Diese Geschichtlichkeit wird nur noch von wenigen bestritten, und Deschner hielt es nicht für nötig, in diesem Punkt zu widersprechen.
Gleichwohl zeigt er auf, in welchem Maße die Behauptung von der geschichtlichen Existenz auf wackligen Beinen steht. Die Theologen räumen ein, dass es außer dem Neuen Testament, vor allem den drei sogenannten «synoptischen» Evangelien, keine nichtchristlichen halbwegs zeitgenössischen Zeugnisse vom Leben und Wirken Jesu gibt (außer einer kurzen Erwähnung eines Christus bei Tacitus gibt es nur spätere Fälschungen und maßlose Überinterpretationen von Textstellen). Diese Evangelien sind nach dem gegebenen Forschungsstand erst 70 bis 100 Jahre nach der angenommenen Geburt Jesu erschienen. Paulus’ Beiträge sind die am frühesten entstandenen des Neuen Testaments, und der sagt zum Leben und Wirken Jesu fast nichts.
Von da an spannt Deschner einen weiten Bogen von der nahen Endzeiterwartung der frühen Christen über die Verwurzelung der christlichen Glaubensinhalte in einer Vielfalt vorchristlicher religiöser Vorstellungen bis hin zur Fabrikation der Dogmen im Laufe der Jahrhunderte und den schändlichen Untaten der Kirche, sobald das Christentum Staatsreligion wurde, und zu ihrer Zusammenarbeit mit Faschismus und Nationalsozialismus.
Eine schier unübersehbare Fülle an Fälschungen und Betrügereien; die brutale Verfolgung von Juden, Heiden, Ketzern, «Hexen»; das Hetzen zum Krieg gegen «Ungläubige», die Bündnisse mit den jeweils Herrschenden gegen die ausgebeutete Masse der Bevölkerung – all das weist Deschner im Detail nach. Seine Werke sollten Pflichtlektüre an den Schulen werden.


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