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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Dennis Lehane: Am Ende einer Welt

Deutsch von Steffen Jacobs. Zürich: Diogenes, 2015. 394 S., 24 Euro
von Udo Bonn

Dennis Lehane weiß, wie man spannende Bücher schreibt und Krimis mit einem literarischen Touch versieht. Und sein Schweizer Verlag weiß, wann man die Bücher am besten plaziert.
Im vergangenen Jahr erschien im Spätherbst The Drop – Bargeld zeitgleich mit seiner tollen Verfilmung und in diesem Jahr Am Ende einer Welt. Es ist der dritte Teil der Coughlin-Familiensaga, die sich, wie der zweite Teil, um Joe Coughlin dreht.
Auftakt Dezember 1942, Tampa, Florida, ein Riesenfest zu Ehren der Armeeangehörigen, die in Europa und im Pazifik gegen deutsche und japanische Truppen kämpfen. Und er bringt sie alle zusammen, die Politiker, die Reichen und die Gangster. 1942 ist Joe Coughlin wer in Tampa. Er ist kein Gangster mehr, kein Alkoholschmuggler und Killer. Er ist zum anerkannten Berater des Bartolo-Syndikats geworden, obwohl seine Wurzeln in Irland liegen. Er ist Geschäftsmann und Wohltäter der Stadt. Und heimlicher Liebhaber der Gattin des Bürgermeisters. Aber kann von Liebe die Rede sein oder ist es Einsamkeit? Joe liebte seine Ehefrau Graciella, aber sie ist tot. Geblieben ist ihm Tomàs, ihr gemeinsamer zehnjähriger Sohn. Joe hat sich arrangiert, die Mafia hat sich nach der Verhaftung Lucky Lucianos neu strukturiert, die Territorien in Tampa sind aufgeteilt. Aber dann erhält Joe die beunruhigende Information, ein Kopfgeld sei auf ihn ausgesetzt worden. Eine inhaftierte Auftragsmörderin ist bereit, ihm zu sagen, an welchem Tag und durch wen er ermordet werden soll, falls er ihr einen Gefallen erweist.
Was ihm zunächst undenkbar erscheint, wo so viele aus seiner Umgebung von seinen Geschäften und seinen Ratschlägen profitieren, setzt sich immer mehr als Befürchtung bei ihm fest. Er muss handeln, um sich und Tomàs zu schützen. Doch nichts ist, wie es scheint. Und was einmal geordnet und vertraut gewesen ist, zerbricht vor seinen Augen.
Dennis Lehane erzählt diese Geschichte von Freundschaft, rassistischer Dummheit, zerstörerischen Ehrgefühlen und Verrat in jeglicher Variante – an deren Ende Angst, große Angst steht – einfühlsam und gleichzeitig trocken, angereichert mit kleinen Nebengeschichten, die man immer weiter lesen wollte.


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