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Die deutsche Seeschifffahrt sinkt…

…und mit ihr die Arbeitsbedingungen
von Rolf Geffken

Anfang Februar startete Rolf Geffken, der als Anwalt öfter für Seeleute tätig ist, eine Petition an den Deutschen Bundestag: «Rettet die deutsche Seeschiffahrt – Gegen die Abschaffung der Seefahrtsberufe».

Der Anlass: Am 11.Dezember wurde eine Vereinbarung zur Änderung der Schiffsbesetzungsverordnung zwischen dem Verband Deutscher Reeder und dem Verkehrsministerium unterzeichnet. Die Vereinbarung regelt die Bemannung der Schiffe zur Gewährleistung der Sicherheit auf See. Daraus ergeben sich Anforderungen an Qualifikation, Arbeitsbedingungen und Bezahlung. Mit den Änderungen wird nun die Mindestzahl an deutschen und europäischen Seeleuten an Bord deutscher Schiffe weiter reduziert und die Reeder dürfen die Lohnsteuer der Seeleute zu 100% einbehalten. Ferner soll das Seefahrtsbuch abgeschafft werden, in dem Beschäftigungszeiten und wesentliche Arbeitsbedingungen notiert sind.
Die Folgen sind weiterer Arbeitsplatzabbau, anhaltende Ausflaggung (also das Führen des Schiffs unter fremder Flagge zum Sparen von Personalkosten und Steuern) und, aufgrund der miserablen Perspektiven, auch der Verlust von seemänischem Knowhow. Eine ähnlich gravierende Reform hatte es zuletzt 1989 mit der Schaffung des Internationalen Seeschifffahrtsregisters gegeben. Damals hatten die Gewerkschaften ÖTV und DAG dagegen mobilisiert. Heute wirkt die Reaktion von Ver.di eher hilflos, wenn sie gemeinsam mit dem Verband deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere (VDKS) und der Vereinigung deutscher Schiffsingenieure (VDSI) im Sinne des «maritimen Bündnisses für Ausbildung und Beschäftigung» Arbeitsplatzgarantien und eine Evaluierung der geplanten Veränderungen innerhalb von zwei Jahren fordert.
Die Petition greift im Kern die Forderungen von früher wieder auf und richtet sich gegen die Gesetzesänderungen. Sie soll auch ein Zeichen der Solidarität mit den Seeleuten setzen. Innerhalb von knapp drei Wochen unterzeichneten bereits 1500 Personen. Aus den zahlreichen Kommentaren, viele offensichtlich von Seeleuten selbst, spricht Trauer im Hinblick auf die Entwicklungen der letzten Jahre, Wut angesichts der ungezügelten Subventionen für die Reeder, eine große Sorge um die jungen Ausgebildeten, aber auch ein hohes Berufsethos. So schreibt etwa Captain Ronny auf die Frage, «Warum ist Ihnen diese Petition wichtig?»: «Weil ich durch Ausflaggung meine Arbeit verloren habe und keinen Job mehr finde, dadurch meine Familien nicht mehr gut ernähren kann und vielleicht das Haus verlieren werde. Bin fast 20 Jahre zur See gefahren und mit Leib und Seele Seemann.» Oder Andreas W.: «Um zu helfen, dem ausufernden menschenverachtenden Treiben derer, die den Hals nicht voll genug bekommen, einen Riegel vorzuschieben, sowie den gesetzgebenden und beschließenden Politikern in Deutschland aufzuzeigen, was wirklich stinkt in diesem Land, insofern die das überhaupt interessiert.»

Die Petition läuft noch bis Ende April, https://www.openpetition.de/petition/online/rettet-die-deutsche-seeschifffahrt-gegen-die-abschaffung-der-seefahrtsberufe.


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