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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 03/2016 |

Ronan de Calan: Das Gespenst des Karl Marx

Illustriert von Donatien Mary. Berlin: Diaphanes, 2014. 63 S., 14,95 Euro
von Larissa Peiffer-Rüssmann

Die Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AjuM) hat Ende September 2015 in Erfurt den Heinricht-Wolgast-Preis an den französischen Philosophieprofessor Ronan de Calan und den Illustrator Donatien Mary für ihr Kinderbuch Das Gespenst des Karl Marx verliehen. Das ist eine erstaunliche Entscheidung. Es ist aber auch ein ungewöhnliches Kinderbuch, das Kindern und Jugendlichen die Ideen von Karl Marx in verständlicher und unterhaltsamer Form näher bringen will, mit einer außergewöhnlichen grafischen Gestaltung.
Karl Marx tritt als Ich-Erzähler und Zeitzeuge auf und erklärt die Gesetze des Marktes, die bis heute Menschen in die Verzweiflung treibt. Das Buch beginnt mit der Vertreibung der schlesischen Bauern von ihren Feldern, die nach der Logik des Marktes ihr Korn nicht mehr verkaufen können. Sie müssen ihre Häuser verkaufen, ziehen in die Stadt und werden Tuchmacher. Aber auch als Weber verlieren sie bald ihre Arbeit.
Grafisch anschaulich wird die graue Tristesse der Städte gezeigt, im Hintergrund die rauchenden Schlote der Fabriken. Man spürt förmlich das Leid, die Trostlosigkeit und die elende Lage der Arbeitsuchenden. Gleichzeitig treffen sie auf die vielen Handwerker, die sich als Opfer der Mechanisierung in einer arbeitsteiligen Produktion wiederfinden. Das wird grafisch an der Herstellung von Sicherheitsnadeln gezeigt, die ursprünglich in einem kleinen Handwerksbetrieb hergestellt und verkauft wurden. Jetzt wird für jeden Arbeitsschritt ein Arbeiter eingesetzt. Wo früher einer das Produkt herstellte, werden jetzt viele Hände benötigt, aber der einzelne verliert durch die kleinteilige Herstellung die Beziehung zum Produkt. Der letzte packt die Nadeln in eine Kiste und stellt sie auf ein Förderband. Der Lohn für diese einfache und eintönige Arbeit ist niedrig und reicht kaum zum Überleben. Es kommen immer größere Maschinen zum Einsatz, die Produktion steigt und steigt. Aber vor den riesigen Maschinen fühlen sich die Menschen verloren, viele von ihnen werden «überflüssig» und entlassen. Die Arbeiter begehren auf und fallen unter den Schüssen der Soldaten.
Derweil sitzt «das Kapital» im Café und trinkt seinen Kaffee. Es geht das Gerücht um, es habe nicht nur eine goldene Uhr, sondern auch ein Herz aus Gold. Es will nicht um den Lohn für die Arbeiter verhandeln, schließlich gehört die Fabrik mit allen Maschinen ihm alleine.
Wie es nun weitergehen könnte, das erklärt das «Gespenst» den Arbeitern – aber es ist schon klar, dass es ein langer Kampf sein wird.
Und wie wir heute wissen, dauert er immer noch an. Aber das Buch zeigt, dass es eine sehr aktuelle Aufgabe ist. Der Autor Ronan de Calan meinte in einem Interview anlässlich der Preisverleihung: «Gerade jetzt, da Europa über Chancen für eine neue Ökonomie jenseits des Kapitalismus diskutiert, ist Marx so wichtig wie lange nicht mehr.»


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