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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Krimi: Paul Colize: Back up

Deutsch von Cornelia Wend. Hamburg: Edition Nautilus 2015. 352 S., 19,90 Euro
von Udo Bonn

Seit Dominique in der Brüsseler Derscheid-Klinik seine Arbeit als Physiotherapeut begonnen hat, gibt es hier was zu lachen, selbst die Ärzte können sich seinem «Wie ist das Leben schön» auf Dauer nicht entziehen. Doch besonders die Patienten genießen sein fachliches Können und seinen aufmunternden Humor. Nur beim Patienten X Midi stößt er auf Granit. Vor dem Hauptbahnhof angefahren, hat der das Locked-in-Syndrom erlitten, bewegungs- und scheinbar kommunikationsunfähig nimmt er die Rehabilitationsbemühungen Dominiques wahr. Der Leser aber lernt in den Gedanken die Geschichte und die Geheimnisse X Midis kennen. Eigentlich heißt er Jacques Bernier, in kleinen Verhältnissen aufgewachsen, und sicherlich wäre alles anders verlaufen, wenn er «Maybelline» von Chuck Berry nicht gehört hätte. Rock’n Roll wird zu seinem Leben, vom Trommler wird er zum Drummer, er desertiert vom Militär, flüchtet ins lebenssüchtige Paris, ins Swinging London und nach Berlin. Und er lernt sie alle kennen, alle Stars der Rockszene, die Drogen, die angesagten Klamotten. Aber die Liebe? Der Rausch der Jugend endet in Berlin. Und hier endet auch der Aufstieg der britischen Band «Pearl Harbor». Alle Mitglieder der Band sterben eines gewaltsamen Todes innerhalb kürzester Zeit, und das, nachdem sie zum erstenmal richtig Geld verdient hatten. Gar nicht klar ist deren Eltern, ob es Mord, Selbstmord oder eine Verkettung von Unfällen war. Ein Reporter aus Belfast versucht zu recherchieren, und wie sich herausstellt, ist das nicht ungefährlich.

Auf mehreren Zeit- und Erzählebenen hat Paul Colize mit Back up einen tollen Zeitroman über hoffnungsvolle, durchknallende, unverschämte und sehnsüchtige Jugendliche geschrieben, wo alles zu Mord und Massaker wird, wenn die Herren des Krieges auftauchen. Weh dem, der ihnen begegnet.


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